Dienstag, 11. September 2018

Senat: McCaskill vs Hawley in Missouri

Geht es nach den Meinungsforschungsinstituten, gibt es derzeit wohl kein Senatssitz, der so eng umkämpft ist, wie der für Missouri. Die demokratische Amtsinhaberin Claire McCaskill und ihr republikanischer Herausforderer Josh Hawley trennen 1 Prozentpunkt.


Claire McCaskill, Demokratin

Senator Claire McCaskillDie politische Karriere der 65-jährigen Demokratin begann im Jahr 1982 im Repräsentantenhaus des Bundesstaats Missouri. Im Jahr 2004 verlor sie die Wahl um das Amt der Gouverneurin von Missouri. Erstmals zur Senatorin wurde McCaskill im Jahr 2006 gewählt. Bei ihrer Wiederwahl 2012 setzte sie sich ungewöhnlich deutlich gegen den mit einem Skandal kämpfenden Republikaner Todd Akin durch.
Nach einem Bericht der US-News-Website The Daily Beast habe es im Jahr 2017 einen versuchten Hackerangriff des russischen Geheimdiensts gegen die Demokratin gegeben.
Eine erneute Wiederwahl im eher republikanisch geprägten Missouri ist derzeit völlig offen.
In diesem Jahr fordert sie der Republikaner Josh Hawley heraus.

Josh Hawley, Republikaner


Josh Hawley.jpg


Der 40-jährige Josh Hawley ist amtierender Attorney General von Missouri, also Justizminister und Generalstaatsanwalt des Bundesstaats. In dieser Funktion machte er auch besonders auf sich aufmerksam, als er durch die Ermittlungen seines Hauses letztlich den republikanischen Gouverneur des Bundesstaats Missouri, Eric Greitens, vor wenigen Monaten zu Fall brachte. Hawley hatte Greitens offen zum Rücktritt aufgefordert. Inwieweit sich die damit verbundenen innerparteilichen Spannungen auf die Wahlchancen auswirken, bleibt spekulativ. 

In den aktuellen Umfragen liegen McCaskill und Hawley nahezu gleichauf, mit einem hauchdünnen Vorsprung für den Republikaner die Demokratin (Update vom 13.09).

Sollte Claire McCaskill ihren Sitz im US-Senat verlieren, wäre dies für die Republikaner bereits ein Meilenstein zur Verteidigung ihrer Mehrheit. 

Den aktuellen Umfragestand zu diesem und den weiteren Wahlen zum US-Senat habe ich Euch hier aufbereitet.

Bei der Präsidentschaftswahl 2016 hatte Donald Trump die Demokratin Hillary Clinton mit fast 20 % Vorsprung in Missouri geschlagen. Bei der Wahl des zweiten Senatssitz für Missouri im Jahr 2016, gewann der Republikaner Roy Blunt (49,2 %) gegen den Demokraten Jason Kander (46,4 %). Dieser Sitz steht 2018 nicht zur Wahl.

Sonntag, 9. September 2018

Senat: Nelson vs Scott in Florida

Eines der spannendsten Rennen um einen Sitz im neuen Senat wird es wohl in Florida geben. Der demokratische Amtsinhaber Bill Nelson will seinen Sitz gegen den republikanischen Herausforderer Rick Scott verteidigen.

Bill Nelson, Demokrat

Bill NelsonDer in Miami, Florida, geborene Nelson ist ein politisches Urgestein. Der 75-jährige wurde 1972 zunächst in das Repräsentantenhaus von Florida gewählt und wechselte 1979 in das US-Repräsentantenhaus, in dem er bis 1991 Abgeordneter war. 1990 bewarb er sich vergeblich um das Amt des Gouverneurs von Florida. Im Jahr 2000 wurde Nelson erstmals in den US-Senat gewählt und seitdem im Sechs-Jahres-Rhythmus zwei mal wiedergewählt.
Zuletzt gewann Bill Nelson (55,2 %) im Jahr 2012 deutlich gegen den Republikaner Connie Mack (42,2 %).
In diesem Jahr fordert ihn Republikaner Rick Scott heraus.

Rick Scott, Republikaner

Rick Scott official portrait
Der 65-jährige Rick Scott ist in Bloomington, Illinois, geboren und seit 2011 amtierender Gouverneur von Florida. Nach zwei Amtszeiten darf er nicht erneut kandidieren und bewirbt sich nun um einen Sitz im US-Senat. Bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 unterstützte Scott den heutigen Präsidenten Donald Trump offiziell, nachdem dieser den Florida Primary deutlich gegen seine Mitbewerber Rubio, Cruz und Kasich gewann.
Rick Scotts Wahlkampagne gilt als besonders finanzstark.



In den Umfragen liegt Rick Scott durchschnittlich noch rund 2% vor Bill Nelson. Zwar sehen die beiden aktuellsten Umfragen (Stand 09.09.) beide Kandidaten gleichauf, jedoch hatten diese beide Umfrageinstitute (Gravis und Quinnipiac) zuvor noch Bill Nelson vorne gesehen. Der Vorteil scheint also tendenziell derzeit bei dem Republikaner zu liegen.

Den aktuellen Umfragestand zu diesem und den weiteren Wahlen zum US-Senat habe ich Euch hier aufbereitet.

Bei der Wahl des zweiten Senatssitz für Florida im Jahr 2016, gewann der Republikaner Marco Rubio (52,0 %) gegen den Demokraten Patrick Murphy (44,3 %). Dieser Sitz steht 2018 nicht zur Wahl.

Mittwoch, 5. September 2018

Ausgangslage vor den Midterm Elections 2018

Ausgangslage, Chancen und Prognosen



Mit Spannung wird den diesjährigen Midterm Elections in den USA entgegengefiebert. Mit großem Interesse beobachtet die politisch interessierte Öffentlichkeit die Stimmung und die Umfragen zu den anstehenden Kongresswahlen.
Die Phasen, in denen ein US-Präsident eine Mehrheit beider Kammern des Kongresses hinter sich weiß, sind selten und auch nicht allzu lang. Donald Trump kann seit Beginn seiner Präsidentschaft im Jahr 2017 auf eine republikanische Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus bauen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um konstruktive und weitreichende politische Entwicklungen und Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Hält dagegen die politische Konkurrenz eine Mehrheit im Senat und/oder Repräsentantenhaus sind weitaus mehr Verhandlungen und Kompromisse erforderlich, um einen Stillstand des politischen Geschäfts zu vermeiden.


Während Donald Trump und die Republikaner im Repräsentantenhaus auf eine komfortable Mehrheit bauen können, sind die Machtverhältnisse im US-Senat deutlich knapper. Die Republikaner sind wegen der Ein- bzw. Zweistimmenmehrheit praktisch darauf angewiesen, dass GOP-Mitglieder des Senats einheitlich für oder gegen Gesetzesvorlagen stimmen. Abweichler darf es nicht geben. Da es aber auch bei den Republikanern scharfe Kritiker Donald Trumps und dessen Politik gibt, ist der US-Präsident jetzt bereits auf weit mehr Kompromissbereitschaft angewiesen, als es die rein zahlenmäßigen Mehrheitsverhältnisse vermuten lassen.

Um aber nicht nur auf die Uneinigkeit der Republikaner in einigen Fragen setzen zu müssen, wollen die Demokraten bei den Kongresswahlen 2018 einen klaren machtpolitischen Erfolg setzen. Der formale bundespolitische und internationale Einfluss der Demokraten hat nach dem Debakel bei den Wahlen 2016, bei denen das Weiße Haus, der Senat und das Repräsentantenhaus an die Republikaner gingen, einen Tiefpunkt erreicht. Hinzu kamen noch innerparteiliche Differenzen, die sich im Zweikampf um die Präsidentschaftskandidatur zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders einer breiten Öffentlichkeit offenbarten.

Die Demokraten wollen in mindestens einer der beiden Kammern die Mehrheit gewinnen. Gelingt den Demokraten dieser Erfolg nicht, wäre es schon ein schwerer Schlag für die Wahlkampfstrategen, die umgehend nach den Midterm Elections mit dem Aufbau einer Kampagne starten müssen, um Kandidatinnen und Kandidaten rechtzeitig in Stellung zu bringen und geeignete politische Themen aufzubereiten. Die Haltung, Donald Trump, als einmaligen Wahl-Unfall zu betrachten, wird spätestens dann als Fehler entlarvt werden, wenn jene Amerikaner, die als Trump-kritisch gelten, sich nicht mehr von Trump abschrecken lassen und solche Amerikaner, die ohnehin zu den Anhängern des Präsidenten gehören, mit den erwarteten Leistungen ganz zufrieden sind.

Das Ziel der Republikaner ist es, die alleinige Mehrheit im Kongress zu halten. Schaffen die Demokraten einen Wechsel im Senat oder Repräsentantenhaus, würden sich schnell alle Blicke auf die Führungskräfte der GOP richten. In diesen Kreisen würde dann zwangsläufig die Schuldfrage für eine Niederlage diskutiert werden. Diese Diskussion würde jedenfalls von den meisten Medien an die Partei herangetragen werden. Dann müssten auch jene Spitzenpolitiker der Republikaner aus der Deckung kommen, die ggf. ein Interesse haben, als Herausforderer Donald Trumps 2019/2020 als parteiinterner Gegenkandidat ins Rennen zu gehen. Normalerweise gilt aber bei Vorwahlen innerparteilich der jeweils amtierende Präsident als gesetzt. Um einen solchen internen Wahlkampf zu vermeiden, hat der US-Präsident auch aus diesen Gründen schon ein großes Interesse an einer erfolgreichen Kongresswahl. Gewinnen die Republikaner, dürfte es kaum realistische Chancen auf einen parteiinternen Gegenkandidaten für Trump geben. In einigen US-Medien wird auch immer wieder die Möglichkeit eines Amtsenthebungsverfahrens gegen den US-Präsidenten diskutiert. Unabhängig davon, wie realistisch ein solcher Schritt ist, kann wohl festgestellt werden, dass bei einem republikanischen Sieg am 06. November dieses Thema vermutlich abgeräumt wäre.

Die aktuellen Mehrheitsverhältnisse im US-Kongress


Die Republikaner halten im Senat und Repräsentantenhaus die Mehrheit.
Im Repräsentantenhaus verfügen sie aktuell über 235 Sitze. Die Demokraten kommen auf 193 Sitze. 7 Sitze sind derzeit vakant. Die einfache Mehrheit im „House“ ist mit 218 Sitzen erreicht. Das macht aktuell einen komfortablen Vorsprung von 42 Sitzen für die Republikaner. Es werden alle 435 Sitze neu gewählt.

Im Senat sind die Machtverhältnisse deutlich knapper. Die Republikaner kommen auf 51 Sitze, die Demokraten auf 47. Mit den Demokraten stimmen in der Regel noch zwei Unabhängige, so dass sie meist auf 49 Stimmen kommen. Kommt es zu einem 50:50 Patt, hat der Vizepräsident die entscheidende Stimme. Dies ist aktuell der Republikaner Mike Pence.

Wichtig: Es werden alle zwei Jahre nur rund ein Drittel der Sitze des Senats neu gewählt. Das hat erhebliche Auswirkungen für die Lagebewertung auch in diesem Jahr.
Obwohl die Demokraten im Senat fast gleichauf sind, scheint die Chance auf einen Mehrheitswechsel im Repräsentantenhaus etwas höher zu sein. Woran liegt das?


Wie stehen die Chancen auf einen Machtwechsel?


Wie eben bereits beschrieben, werden im Gegensatz zum Repräsentantenhaus nicht alle Sitze des Senats neu gewählt, sondern nur ein Drittel. Dieses Drittel ist nicht nur ein loses Zahlenwerk. Es steht natürlich lange fest, wann in welchem Bundesstaat, welcher Senatorensitz zur Neu- oder Wiederwahl steht. Es werden insgesamt 35 Sitze im Senat neu gewählt. In diesem Jahr ist es so, dass diese 35 Sitze hauptsächlich von Demokraten gehalten werden. 24 sind aktuell Demokraten und nur 9 Republikaner. Hinzu kommen noch die beiden Sitze der Unabhängigen. Um also den entscheidenden Umschwung im Senat herbeizuführen, müssen nicht nur zwei Sitze der Republikaner erobert, sondern gleichzeitig alle eigenen Sitze verteidigt werden. Gehen ein, zwei, drei usw. aktuell demokratische Sitze verloren, müssen entsprechend mehr Sitze von den Republikanern erobert werden. Da aber insgesamt nur 9 Sitze der Republikaner zur Disposition stehen, wird dies ein enorm schweres Unterfangen.
Die übrigen zwei Drittel der Sitze des Senats stehen nicht zur Wahl. Konkret bedeutet dies, dass unabhängig vom Ausgang der diesjährigen Wahl die Republikaner auf mindestens 42 Sitze und die Demokraten auf mindestens 23 Sitze kommen.
Um eine realistische Bewertung der Lage im Senat nach der Wahl 2018 vornehmen zu können, muss man sich also die zur Wahl stehenden Senatssitze genauer ansehen.



Prognose für den Senat auf Basis von Umfragen


Wie schon von der Präsidentschaftswahl 2016 bekannt, gibt es einige Senatssitze, die traditionell oder aber aufgrund persönlicher, politischer Stärken fest in der Hand der Demokraten oder Republikaner sind. Von den insgesamt 35 zur Wahl stehenden Sitzen, gelten aktuell 22 als sicher vergeben, nämlich 18 an die Demokraten und 6 an die Republikaner. Addiert man die nicht zur Wahl stehenden Sitze lägen die Demokraten bei 41 und die Republikaner bei 48 Sitzen. Zur Erinnerung: für die Mehrheit im Senat sind 51 Sitze erforderlich.
Das bedeutet, dass sich der Wahlkampf und die mediale Begleitung hauptsächlich auf lediglich ca. 11 Sitze beschränken wird, jene die besonders stark umkämpft sind und in der Wahlnacht die Entscheidung bringen werden.
Diese Werte basieren auf den aktuellen Umfragen, natürlich kann sich das noch ändern.


Erforderliche Mehrheit: 51 Sitze
Stand: 05.11.2018

Demokraten

Republikaner
Stehen nicht zur Wahl
Sicher/ Wahr-scheinlich
Solider Vorsprung
Kopf-an-Kopf
Solider Vorsprung
Sicher/ Wahr-scheinlich
Stehen nicht zur Wahl
23
18
4
5
2
6
42
41
4
5
2
48
45
5
50
Quelle: realclearpolitics

Aktuelle Umfragen und Prognosen zur Wahl des Senats findet Ihr unter diesem Link.



Prognose Repräsentantenhaus auf Basis von Umfragen


Da im Repräsentantenhaus alle Sitze neu gewählt werden, unterliegt diese Wahl eher mal politischen Stimmungsschwankungen, als der stabile Senat. Andererseits sind häufig auch lokale Bindungen oder Themen für die Abgeordneten im Repräsentantenhaus entscheidend, so dass man sicher nicht automatisch von Stimmungen und Umfragen im Hinblick auf den US-Präsidenten auf den Ausgang der Wahl zum Repräsentantenhaus schließen kann.

Hier findet Ihr eine
Übersicht über Umfragen und Prognosen für die Wahl zum Repräsentantenhaus.
Die Midterm Elections 2018 in den USA sind also von großer Bedeutung und werden sicherlich weltweite Beachtung finden – ich hoffe Ihr seid wieder dabei!


Aktuelle Umfragewerte zur Senatswahl 2018

Die Umfragewerte werden täglich aktualisiert, auf wesentliche Veränderungen weise ich gesondert hin.

Update, 06.11.2018
- letzte Aktualisierung vor der Wahl -


- Montana wird zum Kopf-an-Kopf-Rennen. Der demokratische Senator Jon Tester liegt nur noch 3,3 % vor Matt Rosendale.
- In Nevada liegt Jacky Rosen seit langer Zeit erstmals wieder knapp vor dem republikanischen Amtsinhaber Dean Heller.
- Bill Nelson baut seinen Umfragen-Vorsprung in Florida leicht aus.
- Martha McSallay in Arizona nun wieder äußerst knapp vor Kyrsten Sinema.
- Josh Hawley liegt in Missouri wieder vor der demokratischen Amtsinhaberin McCaskill.
- Minnesota und Michigan habe ich erstmals wieder in die Liste aufgenommen, da nach zwei akutellen Umfragen der Vorsprung von Senatorin Tina Smith und Debbie Stabenow nicht mehr im zweistelligen Bereich liegt. Aktuell liegt sie noch mit rund 7-8 % vor ihren republikanischen Herausforderern.
-Dagegen hat Senator Menendez in New Jersey kurz vor den Kongresswahlen wieder einen komfortablen Vorsprung von über 10%.  

Stand: 06.11.2018
- letzte Aktualisierung vor Wahl -


Senatswahlen USA 2018
- durchschnittliche Umfragewerte -
Auszug für die aktuell 13 eng umkämpften Sitze
Bundesstaat
Demokraten
Republikaner
Vorsprung
steigt /
sinkt
Arizona
Kyrsten Sinema
47,3 %
Martha McSally
47,5 %
+0,2 %
 ↓
Indiana
Joe Donnelly *
44,3 %
Mike Braun
43,0 %
+1,3 %
 ↑
Florida
Bill Nelson *
49,4 %
Rick Scott
46,1 %
+3,3 %
 ↑
Missouri
Claire McCaskill *
46,2 %
Josh Hawley
46,8 %
+0,6 %
 ↔
Montana
Jon Tester *
49,0 %
Matt Rosendale
45,7 %
+3,3 %
 ↓
Nevada
Jacky Rosen
47,0 %
Dean Heller *
46,3 %
+0,7 %
 ↓
North Dakota
Heidi Heitkamp *
42,5 %
Kevin Cramer
55,0 %
+12,5 %
 ↑
Tennessee
Phil Bredesen
44,0 %
Marsha Blackburn
49,2 %
+5,2 %
 ↓
Texas
Beto O'Rourke
45,0 %
Ted Cruz *
51,0 %
+6,0 %
 ↓
Minnesota
Tina Smith *
47,5 %
Karin Housley
40,5 %
+7,0 %
 ↓
New Jersey
Robert
Menendez *
51,0 %
Rob Hugin
40,3 %
+10,7 %
 ↑
Michigan Debbie Stabenow * 52,0 % John James 43,7 % +8,3 %
 ↓
West Virginia
Joe Manchin *
46,0 %
Patrick Morrisey
41,0 %
+5,0 %
*Amtsinhaberin oder Amtsinhaber
** Quelle: realclearpolitics.com

Die obige Tabelle zeigt die durchschnittlichen Umfragewerte der aktuellsten Meinungserhebungen in den jeweiligen Bundesstaaten. Umfragen, die älter als 3 Wochen 8 Wochen sind, habe ich hier nicht mehr berücksichtigt.
Die Übersicht enthält die Bundesstaaten, in denen nach aktuellen Umfragen und unter Berücksichtigung früherer Wahlergebnisse mit einem besonders knappen Wahlausgang zu rechnen ist, bzw. noch keine sichere Prognose (Vorsprung von 10 % + X) möglich ist ("Kopf-an-Kopf" (0-5%) bis "solider Vorsprung" (5-10%).
Sofern ein/e Kandidat/in in den Umfragen einen Vorsprung von mindestens 10 % aufweisen kann, nehme ich den Bundesstaat aus dieser Übersicht heraus. Sofern sich die Umfragewerte in anderen Bundesstaaten hin zu einem knappen Ergebnis entwickeln, werden diese neu in die Tabelle aufgenommen.



Demokraten

Republikaner
Stehen nicht zur Wahl
Sicher/ Wahrscheinlich
Solider Vorsprung
Kopf-an-Kopf
Solider Vorsprung
Sicher/ Wahrscheinlich
Stehen nicht zur Wahl
23
18
3
6
2
6
42
41
3
6
2
48
44
6
50
Sitzverteilung, wenn Umfragewerte aus der obigen Tabelle eintreten
48
0
52

Weitere Informationen zur Ausgangslage vor den Midterm Elections findet Ihr hier.

Montag, 4. Juni 2018

Midterm Elections in den USA - Kongresswahlen 2018 - Senat und Repräsentantenhaus


UPDATE:
 
Der Artikel stammt vom 04.06.2018, die Mehrheitsverhältnisse haben sich seitdem verschoben, Funktion und Bedeutung haben sich aber nicht verändert.

Die Republikaner verfügen nach den Kongresswahlen 2018 über 53:47 Sitze Mehrheit im Senat.
Die Demokraten konnten dagegen die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobern und haben dort 233 Sitze, während die Republikaner auf 197 kommen.



Ursprünglicher Artikel:  
Die Kongresswahlen in den USA genießen nicht so viel internationale Aufmerksamkeit, wie die Präsidentschaftswahl, dennoch haben sie eine enorme Bedeutung für die Arbeit des Präsidenten. Eine konstruktive Politik am Kongress vorbei ist nicht möglich. Donald Trump und die Republikaner verfügen aktuell noch über eine Mehrheit in beiden Kammern, dem Senat und dem Repräsentantenhaus. Während diese Mehrheiten die Politik Obamas noch lähmten, kann Donald Trump zu Beginn seiner Präsidentschaft grundsätzlich auf die Unterstützung des Kongresses setzen. Aber nicht alle Themen sind Selbstläufer, so fehlte dem US-Präsidenten im Senat manchmal auch die Unterstützung aus den eigenen Reihen.

Die Kongresswahlen 2018 am 06.November werden von einigen als ersten wirklichen Stimmungstest für Donald Trump gewertet. Andere dagegen sehen sogar den Auftakt zur Abwahl des Präsidenten 2020.



Capitol Building Full View.jpg
Das Kapitol in Washington D.C. - Sitz des Senats und Repräsentantenhauses


Was ist der Kongress?


Der Kongress der USA ist die gesetzgebende Gewalt in den Vereinigten Staaten und besteht in der Form eines Zweikammer-Parlaments, dem Senat und dem Repräsentantenhaus.
Als Legislative ist der Kongress im Wesentlichen zuständig für die Gesetzgebung, verfügt über das Budgetrecht und kontrolliert die Exekutive und damit auch den Präsidenten der USA.

Im Kongress eingebrachte Gesetzesvorlagen werden in den entsprechenden Fachausschüssen im Senat und Repräsentantenhaus getrennt voneinander beraten und abgestimmt. Die Zustimmung beider Kammern zu dem im Wortlaut gleichen Gesetz ist erforderlich. Ggf. wird ein Vermittlungsausschuss (Conference Committee) eingesetzt, um Einigkeit und die erforderliche Gleicheit der Beschlussfassungen herzustellen. Das Inkrafttreten eines Gesetzes erfolgt erst nach Zeichnung oder durch Ignorieren des US-Präsidenten. Legt der Präsident dagegen ausdrücklich sein Veto gegen ein Gesetz ein, kann es nicht inkrafttreten. Wird ein solches Gesetz nach einem Veto des Präsidenten jedoch durch beide Kammern mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit bestätigt, kann der Präsident es nicht mehr verhindern.

Der Präsident hat nicht das Recht an Sitzungen des Senats und des Repräsentantenhauses teilzunehmen. Einmal im Jahr jedoch hält er vor dem Kongress die vielbeachtete Rede zur Lage der Nation, "State of the Union".


Unterschiede zwischen Senat und Repräsentantenhaus


Der Senat (Senate)


In den Senat der Vereinigten Staaten von Amerika werden aus jedem der 50 Bundesstaaten (Washington D.C. ist kein Bundesstaat) jeweils zwei Senatoren gewählt. Der Senat gilt daher als Vertretung der einzelnen Bundesstaaten. Insgesamt hat die Kammer 100 Sitze, eine Mehrheit erfordert also 51 Sitze. Aktuell haben die Republikaner 51 Sitze und die Demokraten 47. Hinzu kommen noch 2 Sitze für Unabhängige, die meistens mit den Demokraten stimmen.
Den Vorsitz des Senats hat der Vizepräsident der USA inne, momentan ist dies der Republikaner Mike Pence. Zweithöchstes Mitglied im Senat ist der "Präsident pro tempore", dies ist aktuell der Republikaner Orrin Hatch aus Utah.
Die beiden Parteien haben je nach Stimmenverhältnis zudem einen Mehrheitsführer (Majority Leader), aktuell der Republikaner Mitch McConnell aus Kentucky und einen Minderheitenführer (Minority Leader), aktuell der Demokrat Chuck Schumer aus New York.

Wie oben beschrieben wirkt der Senat wesentlich bei der Gesetzgebung mit. Die Hoheit über das Budgetrecht liegt jedoch beim Repräsentantenhaus. Ansonsten können beide Kammern Gesetze zur Behandlung einbringen.
Die Kontrolle der Exekutive ist eine weitere wesentliche Aufgabe des Senats. So tritt er als Gericht bei den sog. Impeachment-Verfahren (Amtsenthebungsverfahren) auf. Allerdings kann nur das Repräsentantenhaus ein solches Verfahren einleiten. Zuletzt war dies 1999 bei Bill Clinton der Fall. Der Senat sprach den Präsidenten jedoch frei.
Es war nach Andrew Johnson im Jahr 1868 (ebenfalls Freispruch) das bislang einzige Amtsenthebungsverfahren gegen einen US-Präsidenten. Richard Nixon kam im Jahr 1974 durch seinen Rücktritt einem entsprechenden Verfahren zuvor.

Laut Verfassung muss der Senat dem US-Präsidenten zudem "Rat und Zustimmung" bei der Besetzung von hohen Regierungsämtern wie dem Supreme Court oder auch bei der Ratifikation von internationalen Verträgen geben.

Sollte bei der Wahl des US-Vizepräsidenten keiner der Kandidaten eine Mehrheit von 270 Wahlmännerstimmen beim Electoral College erhalten, wählt der Senat den neuen Vizepräsidenten mit einfacher Mehrheit. Zur Wahl stehen dabei die beiden Kandidaten mit den meisten Wahlmännerstimmen.


Das Repräsentantenhaus (House)


Das Repräsentantenhaus ist die Volksvertretung der USA. Es werden insgesamt 435 Abgeordnete, die "Congressmen/Congresswomen" oder "Representatives" in das "House" gewählt. Die Abgeordneten werden direkt gewählt. Für die Mehrheit im Repräsentantenhaus sind also 218 Sitze erforderlich. Die aktuelle Mehrheit halten die Republikaner mit 235 Sitzen. Die Demokraten verfügen über 193 Sitze. Weitere 7 Sitze sind derzeit vakant.

Während jeder Bundesstaat einheitlich zwei Senatoren für den Senat stellt, orientiert sich die Verteilung der Sitze im Repräsentantenhaus an der Bevölkerungszahl der jeweiligen Bundesstaaten. So hat Kalifornien 53, Texas 36, Wyoming, Montana oder Delaware z. B. nur jeweils 1 Sitz.
Vorsitzender des US-Repräsentantenhauses ist der Republikaner Paul Ryan aus Wisconsin. Paul Ryan kündigte an, in diesem Jahr nicht mehr zu kandidieren.
Wie der Senat ist auch das Repräsentantenhaus maßgeblich an der Gesetzgebung beteiligt. Wie oben bereits beschrieben ist insbesondere das Budgetrecht ein Alleinstellungsmerkmal des Repräsentantenhauses. Nur in dieser Kammer können Finanz- und Haushaltsgesetze eingebracht werden. Erst danach gehen die Ergebnisse weiter an den Senat.


Die Arbeit im Repräsentantenhaus erfolgt in Fachausschüssen, die ähnlich wie in Deutschland thematisch aufgeteilt sind.

Sollte bei der Wahl des US-Präsidenten keiner der Kandidaten eine Mehrheit von 270 Stimmen beim Electoral College erhalten, wählt das Repräsentantenhaus den neuen Präsidenten mit einfacher Mehrheit aus den drei Kandidaten mit den meisten Wahlmännerstimmen.


Wahlen zum Kongress


Die Legislaturperioden zwischen Senat und Repräsentantenhaus unterscheiden sich. Das Repräsentantenhaus wird alle 2 Jahre neu gewählt. In den Senat wird man dagegen für 6 Jahre gewählt, wobei aber alle zwei Jahre ein Drittel des Senats neu zur Abstimmung steht.

Kongresswahlen findet also alle 2 Jahre statt, immer in geraden Jahren. Die Wahlen zwischen zwei Präsidentschaftswahlen werden "Midterm Elections" genannt.

Gewählt wird immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November. (Es ist nicht der erste Dienstag im November.

Der Vizepräsident entscheidet bei Patt im Senat


Kommt es zu einem Patt im Senat (50:50) zwischen Demokraten und Republikanern, würde der Vorsitzende des Senats, also der US-Vizepräsident mit seiner Stimme für eine Mehrheit sorgen können.
Das Beispiel zeigt also, wie wichtig der Ausgang der Präsidentschaftswahl einerseits für die Mehrheitsbildung im Senat sein kann und andererseits, wie wichtig der Ausgang der Kongresswahlen, hier insbesondere im Senat für die Politik des Präsidenten werden kann.

Website Repräsentantenhaus