Dienstag, 2. Juni 2020

Reaktionen auf Proteste: Der Amtsinhaber und sein Herausforderer im Vergleich

Donald Trump hat gestern im Rosengarten des Weißen Hauses seine Antwort auf die anhaltenden Proteste in den USA gegeben und sich anschließend vor einer Kirche mit einer Bibel in der Hand der Öffentlichkeit gezeigt.
Heute reagierte Joe Biden mit einer Rede, die unterschiedlicher kaum sein könnte. Wie sehr Trump und Biden beim Umgang mit der aktuellen Krise auseinander liegen, erkennt man sehr gut bei einer direkten Gegenüberstellung dieser Auftritte.



Trumps Rede im Rosengarten



und der anschließende Auftritt vor der St. John's Church in Washington D.C.





Im Vergleich dazu der Auftritt Joe Bidens zur aktuellen Situation und als Reaktion auf Trumps Rede





Donald Trump präsentierte sich als Hardliner für die Innere Sicherheit und bezeichnete sich selbst als Law-and-Order-Präsident. Er sicherte dem amerikanischen Volk zu, es vor den gewaltsamen Protesten zu schützen. Dafür sei er auch bereit, alle nationalen Einheiten einzusetzen, auch das Militär, falls es die Gouverneure und Bürgermeister nicht schafften, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Trump sprach von inländischem Terrorismus.

Joe Biden dagegen nahm den friedlichen Protest der US-Amerikaner gegen Rassismus und Polizeigewalt in den Fokus. Er sprach von einem Weckruf und dem Ruf nach einer vereinenden Führung des Landes. Er ermutigte die Demonstranten, indem er verdeutlichte, dass ihnen kein Präsident das Recht des Wortes nehmen dürfe. Der Demokrat prangerte systematischen Rassismus in den USA und Fehlverhalten der Polizei an.
Biden sagte, dass Trump Teil der Lösung sein müsse und nicht Teil des Problems. Der Kandidat der Demokraten versprach, nicht auf Angst und Spaltung zu setzen. Er werde auch nicht die Flamme des Hasses entfachen. Stattdessen wolle er versuchen, die Wunden des Rassismus zu heilen.

Trumps Wahlkampfteam warf Biden vor, dass dieser mit seiner Rede die Ausschreitungen und die Zerstörung von Eigentum unterstütze. Katrina Pierson behauptete zudem, dass der Demokrat die Unruhen offenbar als Vorteil für dessen Kandidatur betrachte.

Trump im Krisenmodus

Gewaltsame Proteste, Corona, Wirtschaftskrise - Die USA im Ausnahmezustand


President Donald J. Trump
Fünf Monate vor der Präsidentschaftswahl 2020 befinden sich die USA in der Krise. Bei rund 1,8 Mio Infizierten sind mit ca. 105.000 Toten in keinem anderen Land der Welt nachweislich mehr Menschen in Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Dazu kommt ein wirtschaftlicher Abschwung, wie ihn das Land seit der Weltwirtschaftskrise vor ca. 90 Jahren nicht mehr erlebt hat. Seit etwa einer Woche kommen nun auch noch die gewaltsamen Proteste und Unruhen in zahlreichen Großstädten quer durch das Land hinzu.

Was ursprünglich als Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt anlässlich des Todes von George Floyd begann, ist inzwischen zu einem dauerhaften Protest gegen die Ungleichbehandlung von Schwarzen geworden und hat nicht nur mit der Historie des Rassismus in den USA zu tun. Dass es in den USA so viele Tote im Rahmen der Coronakrise gibt und dass Schwarze hierbei überproportional häufig vertreten sind, spielt eine ebenso so große Rolle, wie die Tatsache, dass viele Schwarze Familien nun insbesondere unter der Wirtschaftskrise leiden.
Der tiefe Frust verstärkte sich in den vergangenen Monaten. Der Todesfall George Floyd in Minneapolis brachte nun das Fass zum Überlaufen. Dass diese Proteste nun zu Unruhen ausarteten bzw. zu Gewalt missbraucht wurden, ist eine besondere Herausforderung.

Keines der vorgenannten Probleme ist auch nur ansatzweise gelöst. Nach Corona-Verboten kommt es nun in vielen Städten erneut zu Ausgangssperren aufgrund der nächtlichen gewaltsamen Unruhen auf den Straßen vieler Metropolen. Eine wirtschaftlicher Aufschwung ist noch nicht in Sicht.

Trumps Führung im Jahr seiner angestrebten Wiederwahl


Donald Trumps Wiederwahl hängt auch davon ab, wie der Präsident das Land nun durch diese schweren Zeiten führt. Anfang Februar konnte Trump noch bester Hoffnung sein, die diesjährige Präsidentschaftswahl erfolgreich bestreiten zu können. Starke Wirtschaftszahlen, ein überstandenes Amtsenthebungsverfahren, eine republikanische Partei auf seiner Linie und seine treueste Anhängerschaft fest an seiner Seite. Vier Monate später befindet sich der Präsident mit seinem Land in einer Lage, in der starke Führung gefragt ist. Seine Wiederwahl wird maßgeblich davon abhängen, wie Trump nun das Land durch diese Krise manövriert.

Die Kritiker des Präsidenten werfen ihm vor, das Coronavirus viel zu lange und letztlich bis heute verharmlost zu haben. Die wirtschaftliche Flaute und die Krise am Arbeitsmarkt erfordert zudem eine gemeinsame Antwort des Präsidenten und des Kongresses.
Die größte Herausforderung wird es aber sein, eine geeignete und ernsthafte Antwort auf die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt zu finden, die gleichzeitig auch einen Plan zur Beendigung der gewaltsamen Ausschreitungen beinhaltet.

Den Wahlkampf immer im Hinterkopf


Donald Trump hat diese Antworten noch nicht gefunden. Er nutzt wiederholt eine Methode, die auch vor dem Hintergrund des laufenden und anstehenden Wahlkampfs gesehen werden muss.
Der Präsident hat zu allen drei wesentlichen Fragen im Kern eine Antwort gegeben. Sowohl bei der Bekämpfung des Coronavirus als auch jetzt bei den Bemühungen zur Eindämmung der Gewalt zeigt Trump auf die handelnden Gouverneure in den einzelnen Bundesstaaten.
Gehen die Infiziertenzahlen in die Höhe, sind die Gouverneure Schuld, würgen sie die wirtschaftliche Entwicklung zugunsten der Viruseindämmung ab, liegt die Verantwortung bei ihnen. Gehen sie zu weich gegen die gewaltsamen Proteste vor, sind sie Schuld an den andauernden Ausschreitungen.

Trump befürchtet offenbar, dass sich die Entwicklungen nicht so schnell entspannen werden. Würde er mit einer zeitnahen Lösung rechnen oder sie sogar selbst herbeiführen können, würde er keine Gelegenheit auslassen, sich die Erfolge selbst anzuheften.
Und so überlässt der Präsident das Feld den handelnden Gouverneuren. Will man nun dieses Verhalten einordnen, ist zunächst festzuhalten, dass Trump tatsächlich erstmal nicht in allen Belangen für das Krisenmanagement verantwortlich gemacht werden kann. Er regelt nicht den Umgang mit friedlichen und gewaltsamen Demonstrationen in einzelnen Städten. Auch entscheidet er nicht darüber, wann ein Strand oder Restaurant irgendwo im Land wieder für Besucher geöffnet wird.

Trump erklärt sich zum Law-and-Order-Präsidenten


Was Trumps Handeln prägt sind die Zwischentöne. Er könnte Antworten geben, die vielerorts den Handelnden bei ihren Bemühungen unterstützen würden, mit den Herausforderungen in diesen Monaten umzugehen. Trump hat sich für einen klaren Konfrontationskurs entschieden.
Er entschied sich bewusst dafür, keinen Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit zu tragen und kritisierte seinen Herausforderer Joe Biden dafür, dass dieser bei seinen nun langsam wieder zunehmenden Auftritten einen entsprechenden Schutz trägt.
Trump hat sich auch bewusst dafür entschieden, heute in einer Telefonkonferenz von den Gouverneuren mehr Härte gegen die gewaltsamen Proteste zu fordern. Wenige Stunden später fuhr das Militär vor dem Weißen Haus auf. In seiner heutigen Rede im Rosengarten des Weißen Hauses sagte Trump, er sei der Law-and-Order-Präsident und werde das Land beschützen. Er versprach die gewalttätigen Proteste im Zweifel auch mit dem Einsatz des Militärs zu beenden.

Trumps Kalkül ist offensichtlich. Er weiß, dass er weder in der Coronakrise, noch in der Wirtschaftskrise kurzfristige Verbesserungen erzielen kann. Und er weiß auch, dass die Wurzeln der aktuellen Proteste in den USA so tief verwachsen sind, dass er diese Herausforderung keinesfalls lösen kann. Rassismus und Polizeigewalt hat es lange vor Trumps Präsidentschaft gegeben. Ebenso das Phänomen, dass die berechtigten Anliegen dieser Proteste durch gewalttätige Ausschreitungen missbraucht werden.

Trump setzt auf das Image des durchgreifenden Hardliners


Um nun den Kreis zum diesjährigen Wahlkampf wieder zu schließen, wird der entscheidende Punkt sein, wie dieses Krisenjahr durch die nächsten Wochen kommen wird. Viele Demokraten warnen davor, dass die Gewalt dem Präsidenten in die Karten spielen könnte. Je weniger der friedliche Protest im Vordergrund steht und je länger Gewalt und Plünderungen andauern, desto lauter werden die Rufe nach einem starken Vorgehen der Sicherheitskräfte. Trump weiß, dass in vielen betroffenen Bundesstaaten Demokraten das jeweilige Gouverneursamt inne haben. Gelingt es ihnen nicht, mittelfristig für Sicherheit zu sorgen, wird Trump nicht müde werden, diese Bedingungen anzuprangern.

Trump hat sich entschieden, keine mäßigenden Worte an die US-Amerikaner zu richten. Er weiß, dass diejenigen, die aktuell auf die Straßen gehen, wohl ohnehin nicht zu seiner Wählerschaft gehören. Was er aber nicht unterschätzen darf, ist der Wunsch nach Ruhe und Normalität im Land. Einende Worte könnten hierbei der Wunsch vieler Wählerinnen und Wähler sein.
Und bei all diesen Fragen, ist noch nicht ein Wort zu den inhaltlichen Forderungen der aktuellen Proteste nach einer Polizei- und Justizreform gewechselt worden.

Samstag, 23. Mai 2020

Biden bedauert viel kritisierte Äußerung zu Schwarzen

Der Präsidentschaftswahlkampf 2020 kommt wegen der Coronakrise noch nicht in Fahrt. Während US-Präsident Trump bei seinen nahezu täglichen Presseauftritten seine eigene Sicht auf die Dinge darstellt hält sich sein Herausforderer noch weitgehend zurück. Von zuhause aus betreibt Joe Biden einen Wahlkampf und nimmt einige Interviewtermine mit Videoauftritten wahr. An einen klassischen Wahlkampf ist noch lange nicht zu denken.

Um den in den Medien omnipräsenten Trump etwas entgegenzusetzen, ist es für Biden umso wichtiger, dass die wenigen Möglichkeiten der Einflussnahme auch gelingen. Genau dies ist in den vergangenen Wochen allerdings nicht geschehen. Zunächst musste sich Biden mit Vorwürfen sexueller Belästigung auseinandersetzen und bekam hierbei sogar Rückendeckung von Donald Trump, der in der Vergangenheit ebenfalls mit entsprechenden Anschuldigungen konfrontiert war.

"Du bist kein Schwarzer, wenn..."


Am Freitag folgte dann für Biden ein Interview mit dem afroamerikanischen Radiomoderator Charlamagne tha God. In der Sendung "The Breakfast Club" schloss Biden mit den Worten: "Wenn du nicht genau herausfinden kannst, ob du für mich oder Trump bist, bist du kein Schwarzer".



Für diese Äußerung hagelte es für Biden nicht nur Kritik von Seiten seiner politischen Gegner. Aus Trumps Wahlkampfteam wurde der Vorwurf laut, Bidens Interview sei rassistisch gewesen.

Dem früheren Vizepräsidenten wird ein sehr gutes Verhältnis zu Schwarzen bescheinigt. Biden verfügt über jahrzehntelange Bindungen in viele Schwarze Gemeinden und pflegt die Kontakte zu wichtigen und einflussreichen Schwarzen Politikern. Schließlich war deren Unterstützung auch der Schlüssel zum Erfolg in den Vorwahlen als der deutliche Sieg beim South Carolina Primary den entscheidenden Wendepunkt für Bidens bis dahin schwachen Wahlkampf markierte.

Schmerzvolle Belehrungen aus Trumps Wahlkampfteam


Aber auch im Frühjahr war schon erkennbar, dass es auch immer eine Gratwanderung ist, den tatsächlichen Support vieler Schwarzer mit Stolz zu präsentieren, ohne dabei deren Stimmen als gesetzt anzusehen. Genau dieser Vorwurf gegen Biden wird nun lauter. Trumps konservative Wahlkampfberaterin Katrina Pierson wirft Biden vor, er nehme wohl an, dass Schwarze weder unabhängig, noch frei im Denken seien. Er, ein 77-jähriger Weißer, glaube wohl, den Schwarzen sagen zu können, wie sie sich verhalten sollten, so Pierson weiter.

Dass nun ausgerechnet aus dem Trump-Lager Vorwürfe des Rassismus gegen Biden laut werden, dürfte zwar gemeinhin als Heuchelei wahrgenommen werden, dennoch offenbart die Kritik auch, dass Biden nicht sorgsam und ausbalanciert genug mit seiner Wortwahl umzugehen wusste.
Was wohl als humorvolle und lässige Anmerkung gemeint war, dürfte von vielen Schwarzen auch tatsächlich wohlverstanden als Ansporn und Motivation aufgefasst worden sein, im November keinesfalls Donald Trump zu wählen. Aber sie war zweifellos auch geeignet, einen heiklen und sehr sensiblen Punkt bei einigen Schwarzen zu treffen, die sich entsprechend der Darstellung Piersons an viele Diskussionen der 60er Jahre erinnert fühlten.

Biden bereut die Äußerung


Joe Biden ließ nicht viel Zeit verstreichen und räumte inzwischen ein, dass er seine Äußerung bedauere. Er hätte nicht so hochmütig sein dürfen, so Biden. Nie hätte er die Unterstützung der afroamerikanischen Gemeinschaft als selbstverständlich angesehen, beteuerte Biden.
Er wisse, dass auch Trump Schwarze Wählerinnen und Wähler habe und er sei darauf vorbereitet mit Trump um diese Stimmen zu kämpfen.

Druck auf Biden wächst, eine Schwarze zur Vizekandidatin zu machen.


Nachdem bereits Kamala Harris zu Beginn der Vorwahlen in einer TV-Debatte Bidens Sensibilität bei diesem Thema in Zweifel zog, droht dem Spitzenkandidaten der Demokraten auch ein interner Streit in seinem Wahlkampfteam. Die neuerlichen Äußerungen werden den Druck auf Biden deutlich erhöhen, eine Schwarze Frau zur Vizepräsidentschaftskandidatin zu machen.

Auch ohne dieses Interview wurde zuletzt die Rufe lauter, in jedem Fall eine Schwarze Frau als Running Mate auszuwählen. Insbesondere Stacey Abrams machte keinen Hehl daraus, selbst zur Verfügung zu stehen und forderte mindestens aber, dass Bidens Vizekandidatin eine Schwarze sein müsse.
Die öffentliche Wahrnehmung zur Suche nach einer geeigneten Kandidatin wird seitdem etwas von diesem Kriterium überschattet. Mit Stacey Abrams, Kamala Harris und Val Demings werden immer wieder auch Schwarze Kandidatinnen genannt. Alle drei haben unterschiedliche Erfahrungen und bringen auch verschiedene Stärken mit. Es gibt aber auch Stimmen, die fordern, Biden solle sich noch nicht festlegen und verweisen auf die Erfahrung einer Amy Klobuchar, Elizabeth Warren oder auch der derzeit sehr präsenten Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer.
Insbesondere die mangelnde Erfahrung einer Stacey Abrams wird dabei immer wieder als Kritikpunkt genannt.

Biden will sich Zeit lassen bei der Wahl seiner Vizekandidatin. Möglich, wenn auch ungewöhnlich, ist auch, dass er gleich eine Art Schattenkabinett aufstellt, um die vielen unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen. 

Donnerstag, 23. April 2020

Biden nennt weitere Kriterien für seine Vizekandidatin - Pence könnte erneut antreten

Joe Biden (48554137807) (cropped)
Joe Biden by Gage Skidmore
Während die Vorwahlen der Demokraten in den nächsten zwei Monaten der Form wegen noch weitergehen, muss sich der designierte Spitzenkandidat bereits Gedanken machen, wen er im Wahlkampf als Vizekandidatin präsentieren wird. Joe Biden hatte bereits vor vielen Wochen angekündigt, dass sein Running Mate eine Frau sein werde.

Eine erste Übersicht über potenzielle Kandidatinnen hatte ich HIER bereits eingestellt.

Nun hat Biden seine Überlegungen in der Late Night Show with James Corden weiter präzisiert.
Er werde zum 01. Mai eine beratende Expertengruppe einsetzen, die dabei helfen soll, bis zum Juli das Kandidatinnenfeld auf 2-3 zu reduzieren. Biden ließ zudem schon durchblicken, auf welche Kriterien es auch ankommen werde.

Demnach habe eine Fähigkeit oberste Priorität. Die Vizekandidatin müsse jederzeit, von jetzt auf gleich, in der Lage sein, das Präsidentenamt zu übernehmen. Die Menschen dürften keine Zweifel an der Erfahrung und den Kompetenzen der Vizepräsidentin haben.
Was sich wie eine Selbstverständlichkeit anhört, hat tatsächlich Auswirkungen auf den Kreis der in Rede stehenden Kandidatinnen. Erfahrene Senatorinnen und Gouverneurinnen dürften hierbei wesentlich bessere Chancen haben, als etwa Abgeordnete aus dem US-Repräsentantenhaus oder der Kommunalpolitik, etwa Bürgermeisterinnen.

Einen zweiten wesentlichen Punkt benennt Biden ebenfalls. Es sei eine Empfehlung von Barack Obama gewesen. Die Kandidatin sollte Kompetenzen oder Erfahrungen in einem Bereich haben, der nicht zu seinen eigenen Stärken gehört. Ein Themenfeld, das Biden dann der Vizepräsidentin anvertrauen kann. In gewisser Weise sollten Schwächen so ausgeglichen werden.


Den relevanten Ausschnitt des Videos findet Ihr zwischen 2:46 und 6:05
Außerdem machte Biden auch klar, dass sich seine Vizekandidatin mit ihm auf einer Wellenlänge befinden müsse. Eine Kandidatin, die politisch völlig andere Vorstellungen habe als er selbst, käme konsequenterweise dann nicht mehr in Betracht. Auch dieser Gedankengang ist eine inhaltliche Festlegung von Bedeutung. Biden könnte auch eine Frau auswählen, die beispielsweise äußerst linke Positionen vertritt, um die Lücke, die er dort hinterlässt, aufzufüllen. Aber offenbar wird es anders kommen. Biden will keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass seine Vizepräsidentin auch immer für bzw. im Sinne des Präsidenten spricht. Zudem müsse er ihr absolut vertrauen können.

Mike Pence könnte erneut als Trumps Vize kandidieren

 

Mike Pence official Vice Presidential portrait (cropped).jpg
Mike Pence - D. Myles Cullen - White House
Auch US-Präsident Donald Trump wird sich in diesem Jahr abschließend entscheiden müssen, ob er erneut mit Mike Pence als Vizekandidat ins Rennen geht. Im vergangenen Jahr kamen Gerüchte auf, dass Trump seinen jetzigen Vizepräsidenten durch Nikki Haley ersetzen könnte, um auf diese Weise seine Chancen bei republikanischen und unabhängigen Wählerinnen insbesondere in den Vorstädten zu verbessern. Haley ist die frühere US-Botschafterin unter Trump bei den Vereinten Nationen und ehemalige Gouverneurin von South Carolina.
Diesen Gedankengang wies Trump allerdings zurück. Zwar lobte er Haley und sagte, dass sie im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen werde, Mike Pence sei aber ein großartiger Vizepräsident, mit er auch wieder antreten wolle. Abschließend entschieden und verkündet ist dies aber noch nicht.

Mike Pence gilt als loyaler Vertrauter Trumps und bedient die religiös-erzkonservative Wählerschaft der Republikaner. Eine Abkehr von Pence könnte demnach auch zu einer Demobilisierung dieser Republikaner führen.

Samstag, 18. April 2020

Trump vs Biden - Wer muss welche Bundesstaaten gewinnen?

Die Entscheidung über Sieg und Niederlage bei der US-Präsidentschaftswahl wird bekanntlich in wenigen Bundesstaaten fallen. Wer am Ende mindestens 270 Wahlmännerstimmen gewonnen hat, wird US-Präsident. Es ist also nicht entscheidend, wer landesweit die meisten Wählerstimmen gewonnen hat.

Umso wichtiger ist es sowohl für Amtsinhaber und Herausforderer, als auch für die politischen Beobachter, jene Bundesstaaten zu identifizieren, die in diesem Jahr ausschlaggebend sein werden. Kein Präsidentschaftskandidat im US-Wahlkampf verschwendet Zeit und Geld in einem Bundesstaat, der schon als absolut sicher gewonnen gilt.

Bei 50 Bundesstaaten plus den District of Columbia kann man etwas den Überblick verlieren. Die folgenden Ausführungen sollen dabei helfen, den Blick auf die wirklich wichtigen Bundesstaaten zu richten.
Dabei kommt man nicht umhin, zahlreiche Annahmen als Voraussetzungen zu formulieren. Ich versuche dabei so objektiv und so wenig spekulativ wie möglich vorzugehen.

Alle Tabellen und Berechnungen werden wöchentlich aktualisiert. Die Veränderungen werden in den Tabellen zur besseren Übersicht vermerkt.

Aktueller Stand: 04.06.2020


Sichere Bundesstaaten sind die Basis für alle Berechnungen


Im ersten Schritt sollten wir die Anzahl der zu betrachtenden Bundesstaaten deutlich reduzieren.
Die folgende Tabelle zeigt, welche Bundesstaaten heute schon sehr sicher, sicher oder zumindest sehr wahrscheinlich Donald Trump oder Joe Biden zugeordnet werden können. Hierbei werden zurückliegende Wahlergebnisse, die Bevölkerungsstruktur und insbesondere auch die aktuellen Umfragewerte als Bewertungsbasis herangezogen. Die Zahlen hinter den Bundesstaaten zeigen die Anzahl der Wahlmännerstimmen, die es dort zu gewinnen gibt.


Als sicher geltende Bundesstaaten
Donald
Trump
125 Wahlmänner
Joe
Biden
201 Wahlmänner
Veränderung zur Vorwoche
Indiana 11
Kalifornien 55

Tennessee 11
New York 29

Missouri 10
Illinois 20

Alabama 9
New Jersey 14

South Carolina 9
Virginia 13

Kentucky 8
Washington 12

Louisiana 8
Massachusetts 11

Oklahoma 7
Maryland 10

Arkansas 6
Connecticut 7

Mississippi 6
Oregon 7

Kansas 6
New Mexico 5

Utah 6
Hawaii 4

West Virginia 5
Rhode Island 4

Idaho 4
Vermont 3

Montana 3
Delaware 3

Wyoming 3
D.C. 3

North Dakota 3
Maine 1. Dist. 1

South Dakota 3


Alaska 3


Nebraska ges. 2


Nebraska 1. Dist. 1


Nebraska 3. Dist. 1


















Donald Trump hätte nach 35 Bundesstaaten und den District of Columbia also erstmal 125 Wahlmännerstimmen sicher. Joe Biden dürfte demnach fest mit 201 Wahlmännerstimmen rechnen. Bleiben noch 15 Bundesstaaten und 1 District in Nebraska und Teile von Maine übrig.

Im Vergleich zur Vorwoche hat es hier keine Veränderungen gegeben.

Zur Erläuterung: In Nebraska und Maine gilt das Verfahren "Splitting the Votes". Das heißt, dass der Gesamtsieger nicht automatisch alle Wahlmännerstimmen des Bundesstaats gewinnt, sondern auch die Ergebnisse der jeweiligen Districts berücksichtigt werden.

In Nebraska erhält der Gesamtsieger 2 Wahlmännerstimmen, der jeweilige Sieger aus den 3 Districts jeweils 1 Wahlmännerstimme.
In Maine erhält der Gesamtsieger 2 und der jeweilige Sieger aus den beiden Districts jeweils 1.


Bundesstaaten mit einer erkennbaren Tendenz



Im nächsten Schritt müssen schon weitere Annahmen vorausgesetzt werden, ab nun wird es etwas schwieriger zu prognostizieren.
Die folgende Tabelle zeigt die Bundesstaaten, die den Kandidaten mit einiger Wahrscheinlichkeit zugerechnet werden können. Betrachtet man ausschließlich die Umfragen, habe ich folgende Grenzbereiche vorgesehen:

sicher: Vorsprung >8,5 %
wahrscheinlich Vorsprung 5,0 - 8,4 %
offen: 0 - 4,9 %

Die Bewertungsgrundlage bleibt identisch, aber die einzelnen Kriterien werden unterschiedlich gewichtet. Umfragen alleine sind also nicht ausschließlich entscheidend. Dazu aber gleich mehr.




Wahrscheinlich siegreich in…
Donald
Trump
23 Wahlmänner
Joe
Biden
31 Wahlmänner
Veränderung zur Vorwoche
Insgesamt 148
Insgesamt 232

*Texas 38
**Pennsylvania 20*Texas wechselt zu offen
Georgia 16
Minnesota 10 **Pennsylvania wechselt zu offen
Iowa 6
Colorado 9

Maine 2. Dist. 1
Nevada 6


New Hampshire 4

Maine ges. 2





Nehmen wir also an, dass die Ergebnisse dieser Bundesstaaten so eintreten, läge Donald Trump bei 148 Wahlmännerstimmen, sein Herausforderer Biden bei 232 Wahlmännerstimmen.

Im Vergleich zur Vorwoche haben sowohl Trump als auch Biden einen Bundesstaat aus dieser Kategorie verloren. Eine CNBC Umfrage sieht Donald Trump in Pennsylvania vorne. Durchschnittlich liegt Biden zwar in den Meinungserhebungen für PA weiter in Führung, aber eben nicht mehr so deutlich. Pennsylvania gilt wieder als offen.

Die noch wichtigere Veränderung hat es aber in Texas gegeben. Der Lone Star State mit 38 Wahlmännerstimmen hätte ich rechnerisch schon länger als offen darstellen müssen. Aufgrund der langen republikanischen Tradition, hatte ich ihn aber weiterhin bei Trump verortet. Quinnipiac hat nun eine Umfrage veröffentlicht, nach der der Präsident aber nur noch einen hauchdünnen Vorsprung von 1% hätte. Zwei weitere Umfragen sehen Trump mit 5-6% vorne. Dallas Morning News sieht ein Unentschieden und laut PPP wäre Biden sogar 1% in Führung. Insgesamt hat Trump laut durchschnittlichen Umfragen in Texas noch einen Vorpsrung von 2,2 %. Aus meiner Sicht zu wenig, um den Bundesstaat fünf Monate vor der Wahl als Trump zuzuordnen.

Die für die Prognose des Wahlausgangs wichtigste Feststellung lautet nun:
Gelingt es Joe Biden, Texas von Trump zu erobern, käme der Demokrat bereits auf die erforderliche Anzahl von 270 Wahlmännerstimmen.

Das bedeutet:
Trump darf Texas keinesfalls verlieren!
Texas wäre für Biden der entscheidende Big Point!

Positiv für Trump: Durch die Zuordnung Pennsylvanias zu "offen", sind Florida und Ohio keine zwingenden Must-Win-States mehr.


Die entscheidenden offenen Bundesstaaten


Im dritten Schritt folgen nun die Bundesstaaten, in denen der Wahlausgang noch nicht sicher oder wahrscheinlich prognostiziert werden kann und die in diesem Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit über Sieg und Niederlage entscheiden werden.

Die aktuellen Umfragen auch zu diesen Bundesstaaten findet Ihr HIER.




Die Entscheidung fällt in…
offene Bundesstaaten
Leichte
Tendenz zu
Veränderung zur Vorwoche
Texas 38
Trump
von wahrscheinlich Trump
Florida 29
Biden

Pennsylvania 20
Biden
von wahrscheinlich Biden
Ohio 18
---

Michigan 16
Biden

North Carolina 15
---

Arizona 11
---

Wisconsin 10
Biden

Nebraska 2. Dist. 1
---



Zur Erläuterung: Die Spalte "Leichte Tendenz zu" basiert auf den aktuellen Umfragewerten, berücksichtigt aber wie gewohnt auch zurückliegende Ergebnisse. Ich weise aber daraufhin, dass diese Zuordnungen nun zunehmend vager werden.
Die Spalte "Veränderung zur Vorwoche" bezieht sich nicht auf die Tendenz, sondern auf den Wechsel zwischen den vorgenannten Tabellen.

Ohio ist besonders schwierig einzuschätzen. Viele Beobachter sehen Trump hier sogar sehr wahrscheinlich vorne, da sein Erfolg 2016 sehr deutlich war. In einer aktuellen Umfrage führt Biden aber mit 4 %. In der Summe ist keine Tendenz zu erkennen.

Für die weiteren Prognosen behandele ich aber alle in dieser Tabelle aufgeführten Bundesstaaten als offen.


Die Siegkombinationen für Trump und Biden


Im letzten Schritt stellt sich also die Frage, welche offenen Bundesstaaten Trump und Biden also gewinnen müssen, wenn sie Präsident bleiben / werden wollen?
Angenommen die vorigen Vermutungen treffen zu, bringt der Amtsinhaber also 148 Wahlmännerstimmen mit und sein Herausforderer kommt auf 232.

Durch die Wechsel Texas und Pennsylvanias zu "offen" hat sich die Anzahl der Siegkombinationen deutlich erhöht.

Folgende Siegkombinationen kommen dann rechnerisch in Betracht:

Abkürzungen:
TX - Texas; FL - Florida; PA - Pennsylvania; OH - Ohio; MI - Michigan; NC - North Carolina; AZ - Arizona; WI -Wisconsin; NE2 - Nebraska 2. District


Donald Trump gewinnt, wenn…
mindestens siegreich in
Mit mind. XXX Wahlmännerstimmen
TX, FL, PA, OH, MI, NC
284
TX, FL, PA, OH, MI, AZ
280
TX, FL, PA, OH, NC, AZ
279
TX, FL, PA, MI, NC, AZ
277
TX, FL, OH, MI, NC, AZ 275
TX, FL, PA, OH, MI, WI 279
TX, FL, PA, OH, NC, WI 278
TX, FL, PA, MI, NC, WI 276
TX, FL, OH, MI, NC,WI 274
TX, FL, PA, OH, AZ, WI 274
TX, FL, PA, MI, AZ, WI 272
TX, FL, OH, MI, AZ, WI 270
TX, FL, PA, NC, AZ, WI 271
TX, FL, PA, OH, MI, NE2 270
TX, FL, OH, NC, AZ, WI, NE2 270
TX, PA, OH, MI, NC, AZ, WI 276












Für Donald Trump konnte schon festgestellt werden, dass Texas ein Must-Win-State ist. Danach ist Florida der wichtigste Bundesstaat und praktisch schon der 2. Must Win State für Trump. Nur für den Fall, dass der Republikaner Texas, Pennsylvania, Ohio, Michigan, North Carolina, Arizona und Wisconsin gewinnen würde, könnte er sich eine Niederlage in Florida leisten.
Sollte Trump Texas und Florida gewinnen, kann man noch eine weitere Festellung treffen. Der Republikaner darf auch für diesen Fall nur einen der beiden Bundesstaaten Pennsylvania oder Ohio verlieren. Gewinnt Biden in PA und OH, hätte Trump keine Chance mehr.
Zudem wird auch deutlich, dass Trump mindestens 6 der 8 offenen Bundesstaaten (ausgenommen NE2) für seine Wiederwahl benötigt.


Das bedeutet:

Gewinnt Biden Florida muss Trump TX, PA, OH, MI, NC, AZ, WI gewinnen.


Schauen wir auf Joe Biden:


Joe Biden gewinnt, wenn…
mindestens siegreich in
Mit mind. XXX Wahlmännerstimmen
TX
270
FL, PA
281
FL, AZ
272
FL, NC
276
FL, MI
277
FL, OH
270
FL, WI
271
PA, OH
270
OH, AZ, WI 271
PA, AZ, WI 273
MI, NC, WI 273
OH, NC, WI 275
PA, NC, WI 277
OH, MI, WI 276
PA, NC, AZ 278
PA, MI, WI 278
MI, NC, AZ 274
OH, NC, AZ 276
OH, MI, AZ 277
PA, MI, AZ 279
OH, MI, NC 281
PA, MI, NC 283
MI, AZ, WI, NE2
270





Logischerweise gelten die Feststellungen für Trump im Falle Bidens im Umkehrschluss.
Joe Biden würde die Präsidentschaftswahl gewinnen, wenn er in Texas siegreich ist. Gewinnt er Florida, benötigt er nur einen weiteren beliebigen offenen Bundesstaat (mit Ausnahme NE2). Gewinnt Biden in Pennsylvania und Ohio, könnte er sich in allen übrigen offenen Bundesstaaten Nierderlagen erlauben (auch in Texas und Florida).

Auch ist erkennbar, dass Biden zahlreiche weitere Siegkombinationen hat, in denen er "nur" drei offene Bundesstaaten gewinnen muss.

Schaut man sich die unterschiedlichen Siegkombinationen Trumps und Bidens an, wird auf den ersten Blick deutlich, dass Joe Biden wahlstrategisch im Vorteil ist. Konzentriert man sich, auf die vorher identifizierten vermutlich offenen Bundesstaaten, haben die Demokraten deutlich mehr Flexibilität. Es gibt keinen derzeit offenen Bundesstaat, den sie zwingend gewinnen müssen, während Trump Texas und praktisch auch Florida (mit einer o.g. Ausnahme) gewinnen muss.

Joe Biden wäre also gut beraten, nicht allzu viel, aber doch einige Kraft auch in einen vermeintlich republikanischen Bundesstaat wie Texas zu investieren.
So könnte es ihm gelingen, Trump im Wahlkampf etwas mehr von den wichtigen Bundesstaaten im Rust Belt (Pennsylvania, Ohio, Michigan, Wisconsin) fernzuhalten. Andererseits darf sich Biden auch nicht verzetteln. Konzentriert er sich zu sehr auf solch strategische Überlegungen und vernachlässigt selbst den Rust Belt, könnte er am Ende sowohl in Texas und Florida verlieren, als auch im Rust Belt.

Sind Bidens Chancen deshalb höher? Rechnerisch ja, aber man darf nicht vergessen, dass diese Bundesstaaten allesamt eine besondere Vorgeschichte haben, nämlich die aus dem Jahr 2016. Trump musste auch damals deutlich mehr offene Bundesstaaten gewinnen, als Hillary Clinton. Er holte die wichtigen Swing States, verlor einige kleinere und konnte zudem in Michigan und Wisconsin überraschen. Man darf also nicht vergessen, dass Trump zwar auch im Jahr 2020 wieder mehr offene Bundesstaaten gewinnen muss als sein demokratischer Herausforderer. Jedoch kann man die Ausgangslage auch anders sehen. Ausgehend nicht von aktuellen Umfragen, sondern vom letzten Wahlergebnis, muss Biden erstmal einige Bundesstaaten von Trump zurückerobern.

An dieser Stelle will ich nochmals darauf hinweisen, dass alle vorigen Siegkombinationen und Aussagen zu den einzelnen Bundesstaaten natürlich nur dann zutreffend sind, wenn die Annahmen der ersten beiden Tabellen auch tatsächlich so eintreten. Ansonsten verschiebt sich alles wieder. Wie eingangs erwähnt, alle Ausführungen sollen zunächst auch nur eine erste Orientierung bieten. In den Wochen vor der Wahl, könnte das Bild schon wieder anders aussehen.


Wer entscheidet bei einem Remis 269 zu 269?


Abschließend habe ich noch drei Kombinationen aufgeführt, nach der es keinen Sieger am Wahlabend geben würde. Dann würde das Repräsentantenhaus den Präsidenten bestimmen. Hier haben aktuell die Demokraten die Mehrheit. Diese Mehrheit spielt aber aus zwei Gründen keine Rolle.

1. Erst das in diesem Jahr, am Tag der Präsidentschaftswahl neu gewählte US-Repräsentantenhaus würde bei einem Unentschieden zwischen Trump und Biden entscheidend votieren, die Zusammensetzung ist heute also noch nicht bekannt.

2. Es gibt keine Mehrheitsabstimmung, denn jeder Bundesstaat hat eine Stimme, die sich aus der Mehrheit der Abgeordneten eines jeden Bundesstaats im US-Repräsentantenhaus ableiten lässt. So hätte das große Kalifornien mit 46 Demokraten und 6 Republikanern eine Stimme (vermutlich für Biden), aber das kleine Wyoming mit 1 Republikanerin und 0 Demokraten hätte ebenfalls eine Stimme (vermutlich für Trump). Es kommt also darauf an, die Mehrheit der Bundesstaatsdelegationen im US-Repräsentantenhaus für sich zu gewinnen. Aktuell hätte Trump hierbei die Nase mit 26 zu 22 vorne, obwohl die Demokraten eine Mehrheit im Repräsentantenhaus haben.


Keiner gewinnt (269 zu 269), bei
Trump siegreich in…
UND Biden siegreich in
TX, FL, PA, OH, NC, NE2
MI, AZ, WI
TX, FL, OH, NC, AZ, WI PA, MI, NE2
TX, FL, PA, OH, MI NC, AZ, WI, NE2







Wahlmänner sind nicht überall an das Votum gebunden


Ohne die Angelegenheit noch komplizierter machen zu wollen, sei nur formal erwähnt, dass es theoretisch auch "Wahlmänner" im Electoral College geben kann, die sich nicht an das Ergebnis in ihrem Bundesstaat halten (müssen). Es handelt sich dabei um die sog. "Faithless Electors". Es erscheint mir aber nicht zielführend zu sein, dies an dieser Stelle zu vertiefen. Bei einem äußerst knappen Ergebnis etwa 270 zu 268, lohnt es sich aber die Abstimmung im Electoral College auch tatsächlich abzuwarten.
2016 hatte es mit 10 Abweichlern so viele gegeben, wie nie zuvor in der Geschichte der USA. Niemand allerdings stimmte für den direkten Gegner, also weder Trump, noch Clinton erhielten mehr stimmen. Drei Stimmen wurden ungültig gemacht und sieben Stimmen gingen an andere Personen. So erhielt beispielsweise der frühere US-Außenminister Colin Powell drei Stimmen von "Clinton-Wahlmännern", auch der Republikaner John Kasich und sogar Bernie Sanders erhielten jeweils eine Stimme.