Donnerstag, 22. Oktober 2020

Letztes TV-Duell zwischen Trump und Biden

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag findet das letzte TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden statt. Zwischen 03:00 Uhr und 04:30 Uhr MEZ treffen der US-Präsident und sein Herausforderer in der Belmont University in Nashville, Tennessee, zum zweiten und letzten Mal in diesem Format direkt aufeinander. Moderiert wird die Debatte von Kristen Welker, NBC News.

3rd Presidential Debate 2020 Logo.svg
 By Belmont University - Public Domain

In 90 Minuten werden 6 Themenblöcke zu je 15 Minuten untergebracht. Die Schwerpunkte werden auf den Themen Corona, Klimawandel, Innere Sicherheit, Rassismus, Familienpolitik und Führung des Landes liegen.

Trumps Wahlkampfteam kritisierte sowohl die Auswahl der Moderatorin als auch der Themen. Kristen Welker sei voreingenommen und thematisch würde zu wenig über die Außenpolitik gesprochen werden. Die Commission on Presidential Debates wies beide Vorwürfe zurück und hob hervor, dass Welker eine absolut integre Persönlichkeit sei.

Mikrofone werden zeitweise stumm geschaltet

Die Veranstalter verkündeten zudem, dass nach dem chaotischen Ablauf der ersten Debatte technische Änderungen vorgenommen werden. Um beiden Kandidaten die Möglichkeit zu geben, zu den einzelnen Themen zumindest ihre Zwei-Minuten-Eingangsstatements störungsfrei halten zu können, wird in dieser Zeit das Mikrofon des Konkurrenten abgeschaltet. Sobald die Debatte dann in die offene Diskussion geht, werden zeitgleich beide Mikrofone freigegeben.

Kann Trump auch anders?

Beide Kandidaten sind noch einmal aufgefordert, ihre eigenen Stärken hervorzuheben und die Schwächen des Gegners sichtbar zu machen. Für Donald Trump wird es darum gehen, den noch unentschiedenen Wählerinnen und Wählern ein Angebot zu machen, was sie noch nicht von ihm kennen. Der US-Präsident hat bewiesen, dass er mit seinen Auftritten seine eigene treue Anhängerschaft immer wieder aufs Neue begeistern kann. Um diese Anhängerschaft wird es aber kaum noch gehen. Trump muss nun auch zeigen, dass er Willens und in der Lage ist, zwischen einer auf ihn zugeschnittenen Wahlkampfveranstaltung vor hunderten Fans und einer neutralen bis kritischen Umgebung zu unterscheiden. Dabei kommt es weniger auf seine inhaltlichen Aussagen an, vielmehr wird von ihm erwartet, dass er auch einen präsidialen Ton anschlagen kann. Eine neuerliche Auseinandersetzung mit der Moderatorin wäre hier aus meiner Sicht nicht ratsam.

Trump wird in Richtung Biden insbesondere zwei Themen platzieren. Einerseits wird er den Demokraten mit dessen unklarer Haltung zur Vergrößerung des Supreme Courts konfrontieren. Anderseits könnte Trump aber auch nochmal versuchen, die nicht verifizierten E-Mails zur Rolle Hunter Bidens in der Ukraine und den angeblichen Verbindungen zu Joe Biden zum Thema der Debatte zu machen.

Biden sollte in Supreme Court Frage Position beziehen

Joe Biden sollte auf diese Themen vorbereitet sein. Ein erneutes Ausweichen bei der Supreme Court Frage könnte ihm schaden. Offenheit und Vertrauen sind Punkte, bei denen sich der Demokrat gerne von Trump abhebt. Erfährt dieses Bild eine Erschütterung könnte es Biden im Wahlkampffinale bei den unentschlossenen Wählerinnen und Wählern der Swing States wertvolle Stimmen kosten.

Dem Präsidenten wäre zu raten, nicht auf jede Kritik und Attacke direkt zu reagieren. Auf diese Weise kommt er kaum aus der Defensive heraus. Auch der direkte Gegenangriff auf Biden sollte nicht zur Standardantwort werden. Stattdessen wären eigene in die Zukunft gerichtete und konkrete Angebote, die aufzeigen, was die Menschen von einer zweiten Amtszeit Trumps erwarten können, das Mittel der Wahl.

Es wird bei dem TV-Duell auch darum gehen, nicht nur die klassischen Erwartungen zu erfüllen, sondern auch überraschen zu können, die Schlagzeilen des Abends im positiven Sinne zu gewinnen. Für jemanden der scheinbar aufholen muss, ist dies umso wichtiger. Laut Umfragen wäre dies der Präsident. Aber auch Joe Biden darf nicht den Fehler machen und sich knapp zwei Wochen vor der Wahl ausruhen. Ein reines Verwalten der Debatte könnte zu wenig sein. Biden muss die richtige Balance finden, einerseits unaufgeregt ohne Fehler durch den Abend zu kommen und andererseits doch zwei bis drei Punkte zu setzen, die den Zuschauern in Erinnerung bleiben. Gerade in einem Wahlkampf, in denen zumindest Biden selbst nicht an Massenevents teilnimmt, müssen solche TV-Duelle vor einem landesweiten Publikum ein Erfolg sein.

TV-Debatte wieder live im deutschen Fernsehen

Das TV-Duell ist wieder auf allen großen US-Sendern und in zahlreichen Livestreams zu sehen. Im deutschen Fernsehen ist die Debatte wieder bei Phoenix zu verfolgen. Auch Das Erste überträgt live, jeweils mit Übersetzung. Beide Sendungen beginnen gegen 02:45 Uhr.

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Trump holt in Umfragen für Florida und Pennsylvania auf - 7 offene Must-Win-States für den Präsidenten

Zwei Wochen vor der Wahl haben bereits mindestens 35,7 Mio US-Amerikaner ihre Stimmen abgegeben, entweder per Briefwahl oder persönlich. Der US-Supreme Court hat heute beschlossen, dass im Bundesstaat Pennsylvania auch Briefe gezählt werden dürfen, die bis zu drei Tage nach der Wahl bei den verantwortlichen Stellen eingehen. Sollte es also ein knappes Rennen geben, könnte es zu einer langen Geduldsprobe kommen.

Pennsylvania ist neben Florida einer der beiden wichtigsten Bundesstaaten, in denen Donald Trump in der vergangenen Woche in den Umfragen aufholen konnte. Alle aktuellen Umfragen in den wichtigen Swing States. Da Pennsylvania aktuell wieder als offen eingestuft werden muss, kann sich Joe Biden auch nicht mehr allein auf die Bundesstaaten verlassen, in denen er durchschnittlich mit mindestes 5% Vorsprung in den Umfragen führt. Er muss mindestens einen der großen (11 oder mehr Wahlmännerstimmen) "offenen" Bundesstaaten dazu gewinnen.


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Weiterhin schwieriger wird es aber für Donald Trump. Er muss derzeit alle großen, als offen eingestuften Bundesstaaten gewinnen. Das sind konkret Texas, Florida, Pennsylvania, Ohio, Georgia, North Carolina und Arizona. Verliert der Präsident einen dieser Bundesstaaten an Biden und kann gleichzeitig nicht irgendwo anders überraschen (Michigan, Minnesota, Wisconsin, Nevada etc...) wird Trump die Präsidentschaftswahl nicht gewinnen können. Aber: Der Präsident hat eben jene Bundesstaaten, also Texas, Florida, Pennsylvania, Ohio, Georgia, North Carolina und Arizona 2016 allesamt gegen Clinton gewonnen. Dazu auch noch Michigan und Wisconsin.

Auch wenn die Ausgangslage für Trump schwierig ist und Bidens Anhängerschaft sehr zuversichtlich ist, fürchten einige Demokraten ein Deja-vu. Man kann den Eindruck gewinnen, dass die Demokraten diesen Wahlkampf einfach nur noch beenden wollen und den Vorsprung in den Umfragen in das Wahlergebnis "retten" wollen. Zu fragil scheint die Situation mit einem Präsidenten, der unermüdlich und unbeirrt seinen Weg im Wahlkampf weitergeht.

Das letzte TV-Duell in der Nacht von Donnerstag auf Freitag könnte hierbei nochmal die letzte Chance für Trump sein, nennenswert vor einem landesweiten rund 100-Millionen-Publikum gegen Biden zu punkten. Eine Vorschau auf die Debatte folgt hier in Kürze.

Dienstag, 20. Oktober 2020

Historische Ergebnisse bei US-Präsidentschaftswahlen

Über 30 Mio Menschen haben in den USA bereits ihre Stimme beim Early Voting abgegeben, die meisten davon in Texas. Seit heute darf auch in Florida, einem der wichtigsten Swing States abgestimmt werden. In dieser Woche findet das letzte TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden statt. In den Umfragen führt Biden in vielen wichtigen Battleground States, sein Vorsprung ist aber nicht uneinholbar groß.
Am Abend folgt hier eine neue Auswertung der Umfragen und die Darstellung, welche Bundesstaaten beide Kandidaten gewinnen müssen. Am Mittwoch folgt die Vorschau auf das letzte TV-Duell.


Historische Ergebnisse


Bevor der Wahlkampf aber nun auf die Zielgeraden einbiegt, ein Blick auf zurückliegende Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahlen seit dem 2. Weltkrieg. (Republikaner in rot, Demokraten in blau).
Zunächst einige Fakten bezogen auf den Zeitraum 1944-2016.


Die politische Landkarte der USA, wie sie klassischerweise heute bekannt ist, also mit vielen der heute bekannten Swing States, mit Siegen der Demokraten an der Pazifikküste, im Nordosten und in Teilen des Mittleren Westens sowie Siegen der Republikaner in den Südstaaten und im Heartland, hat sich seit ca. 1992 entwickelt. Anfangs hatte Clinton teilweise noch Siege für die Demokraten in den Südstaaten (Arkansas und Louisiana) oder etwa auch in Missouri, Tennessee oder Kentucky geholt. Donald Trump schaffte es dagegen 2016 demokratische Hochburgen wie Pennsylvania, Michigan und Wisconsin zu erobern.

In den 60er und 70er Jahren konnte Texas noch von den Demokraten gewonnen werden, während Kalifornien nach dem 2.Weltkrieg bis 1992 fast immer an die Republikaner ging.
Der District of Columbia hat seit 1964 immer die Demokraten gewählt. Idaho, Utah, Wyoming, North Dakota, South Dakota, Kansas, Oklahoma, Alaska und Teile Nebraskas haben seit 1968 immer die Republikaner gewählt.

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Lyndon B.Johnson
by Arnold Newman, Public Domain
Official Portrait of President Reagan 1981.jpg
Ronald Reagan,
Gemeinfrei
Vor 1992 gab es häufig sehr deutliche Ergebnisse. Ronald Reagan 1980 und 1984, Richard Nixon 1972 und Lyndon B. Johnson 1964 konnten zwischen 486 und 525 Wahlmännerstimmen gewinnen.
Das beste prozentuale Ergebnis erzielte Lyndon B. Johnson 1964.



Richard Nixon presidential portrait.jpg
Richard Nixon,
 by Department of Defense. Public Domain

John F. Kennedy, White House color photo portrait.jpg
John F. Kennedy
 by Cecil Stoughton, Gemeinfrei
Den knappsten Sieg in Gesamtstimmen holte John F. Kennedy 1960 gegen Richard Nixon, den kleinsten Vorsprung an Wahlmännerstimmen erzielte George W. Bush im Jahr 2000 gegen Al Gore.




Niemand hat mehr Gesamtstimmen im Popular Vote gewonnen als Barack Obama 2008.

Official portrait of Barack Obama.jpg
Barack Obama,
 by Pete Souza, 
CC BY 3.0


1968 gewann mit George Wallace zuletzt ein Kandidat Wahlmännerstimmen (nach Wahlergebnis), der nicht für die Republikaner oder Demokraten antrat.
Zweimal, 2000 Al Gore und 2016 Hillary Clinton, konnte trotz mehr gewonnener Gesamtstimmen nicht das entscheidende Electoral Vote gewonnen werden.


Wahljahr

Kandidaten

Popular

Vote

in Mio

Popular

Vote

Prozent

Electoral

Vote


2016

Donald Trump

Hillary Clinton

Gary Johnson

Jill Stein


62,98

65,85

4,49

1,46


46,1

48,2

3,3

1,1


304

227

0

0

2012

Barack Obama

Mitt Romney

Gary Johnson


65,92

60.93

1,28


51,1

47,2

1,0


332

206

0

2008

Barack Obama

John McCain


69,50

59,95


52,9

45,7


365

173

2004

George W. Bush

John Kerry


62,04

59,03


50,7

48,3


286

251

2000

George W. Bush

Al Gore

Ralph Nader


50,46

51,00

2,88


47,9

48,4

2,7


271

266

0

1996

Bill Clinton

Bob Dole

Ross Perot


47,40

39,20

8,09


49,2

40,7

8,4


379

159

0

1992

Bill Clinton

George H.W. Bush

Ross Perot


44,91

39,10

19,74


43,0

37,4

18,9


370

168

0

1988

George H. W. Bush

Michael Dukakis


48,89

41,81


53,4

45,7


426

111

1984

Ronald Reagan

Walter Mondale


54,46

37,58


58,8

40,6


525

13

1980

Ronald Reagan

Jimmy Carter

John Anderson


43,90

35,48

5,72


50,8

41,0

6,6


489

49

0

1976

Jimmy Carter

Gerald Ford


40,83

39,15


50,1

48,0


297

240

1972

Richard Nixon

George McGovern

John Schmitz


47,17

29,17

1,10


60,7

37,5

1,4


520

17

0

1968

Richard Nixon

Hubert Humphrey

George Wallace


31,78

31,27

9,90


43,4

42,7

13,5


301

191

46

1964

Lyndon B. Johnson

Barry Goldwater


43,13

27,18


61,1

38,5


486

52

1960

John F. Kennedy

Richard Nixon


34,22

34,11


49,7

49,6


303

219

1956

Dwight D. Eisenhower

Adlai Stevenson


35,58

26,03


57,4

42,0


457

73

1952

Dwight D. Eisenhower

Adlai Stevenson


34,08

27,38


55,2

44,3


442

89

1948

Harry S. Truman

Thomas E. Dewey

Strom Thurmond


24,18

21,99

1,18


49,6

45,1

2,4


303

189

39

1944

Franklin D. Roosevelt

Thomas E. Dewey


25,61

22,02


53,4

45,9


432

99



Freitag, 16. Oktober 2020

Vorschau und Prognose zur Wahl des US-Repräsentantenhauses

Das US-Repräsentantenhaus ist neben dem US-Senat eine der beiden Kammern des Kongresses in Washington. Das Repräsentantenhaus wird alle zwei Jahre vollständig neu gewählt, die Wahltermine fallen alle vier Jahre auf den Tag der Präsidentschaftswahl und sind dazwischen Teil der Midterm Elections (zuletzt 2018).

Neben dem Weißen Haus und dem US-Senat ist das Repräsentantenhaus eine der drei wichtigsten politischen Institutionen. Auch wenn Vergleiche zum deutschen Wahlsystem und Staatswesen nie so richtig passen, ist der Wahlprozess zum Repräsentantenhaus am ehesten mit der Wahl zum Deutschen Bundestag vergleichbar, allerdings nur bezogen auf die Erststimme, also das Direktmandat.

Die USA sind in 435 Congressional Districts aufgeteilt, aus denen Abgeordnete, die "Congressmen/Congresswomen" oder "Representatives" mit einfacher Mehrheit in das "House" gewählt werden. Eine Mehrheit ist bei 218 Sitzen erreicht.

Im Gegensatz zum Senat, in den jeder Bundesstaat zwei Senatorinnen oder Senatoren entsendet, orientiert sich die Verteilung der Sitze im Repräsentantenhaus an der Bevölkerungszahl der jeweiligen Bundesstaaten. So hat Kalifornien 53, Texas 36, Wyoming, Montana oder Delaware z. B. nur jeweils 1 Sitz.

2018 haben die Demokraten die bis dahin bestehende Mehrheit der Republikaner abgelöst. Da zwischenzeitlich einige Abgeordnete aus dem Repräsentantenhaus ausgeschieden sind, sind derzeit nur 429 der 435 Sitze besetzt. Auch diese werden mit der Wahl am 03.November neu besetzt.

Aktuell halten die Demokraten 232 Sitze, während die Republikaner auf 197 kommen.


Demokraten rechnen mit Verteidigung ihrer Mehrheit

Verglichen mit der US-Präsidentschaftswahl und insbesondere der zum US-Senat, ist in diesem Jahr eher wenig Spannung bei der Wahl zum Repräsentantenhaus zu erwarten. Alle bekannten und seriösen Vorhersagemodelle prognostizieren erneut eine Mehrheit für die Demokraten, wobei sich die Sitzverhältnisse nicht wesentlich verschieben dürften.

Nur für den Fall, dass sämtliche als offen eingestufte oder leicht zu den Demokraten tendierende Sitze an die Republikaner gehen würden, könnte die Partei des Präsidenten eine knappe Mehrheit erringen. Dies ist aber aktuell sehr unwahrscheinlich. Sollte sich die Stimmungslage im Land in der verbleibenden Zeit grundlegend ändern, würde ich kurz vor der Wahl nochmal auf einzelne Congressional Districts eingehen, die dann die Entscheidung bringen könnten.


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Die Karte zeigt einen durchschnittlichen Stand der Umfragen und Vorhersagen vier verschiedener Modelle (FiveThirtyEight, Sabato's Crystal Ball, The Cook Political Report und Inside Elections) und wurde von 270towin.com zusammengeführt. Die Karte wird hier regelmäßig aktualisiert.

Eine aktuellen Stand zu den Umfragen zur Wahl des US-Senats findet Ihr HIER.


Das Repräsentantenhaus ist neben dem Senat maßgeblich an der Gesetzgebung beteiligt und hat insbesondere das Budgetrecht als ein Alleinstellungsmerkmal. Nur in dieser Kammer können Finanz- und Haushaltsgesetze eingebracht werden. Erst danach gehen die Ergebnisse weiter an den Senat.

Die Arbeit im Repräsentantenhaus erfolgt in Fachausschüssen, die ähnlich wie in Deutschland thematisch aufgeteilt sind.

Sollte bei der Wahl des US-Präsidenten keiner der Kandidaten eine Mehrheit von 270 Stimmen beim Electoral College erhalten, wählt das Repräsentantenhaus den neuen Präsidenten mit einfacher Mehrheit aus den drei Kandidaten mit den meisten Wahlmännerstimmen.

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Großes Interesse am Early Voting lässt Demokraten hoffen – lange Briefwahl-Auszählungen im Rust Belt – Trump und Biden im Fernduell

In vielen Bundesstaaten hat das Early Voting bereits begonnen. Wählerinnen und Wähler können nicht nur per Brief abstimmen, sondern auch persönlich in den Wahlstellen erscheinen und ihre Stimme frühzeitig abgeben. Offenbar ist das Interesse, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen, so groß wie noch nie. In Georgia warteten die Stimmberechtigten am ersten Tag des Early Votings in langen Schlangen bis zu 11 Stunden. Am zweiten Tag hatte sich die Situation wieder entspannt, auch weil technische Schwierigkeiten behoben werden konnten.

Insgesamt haben landesweit bereits rund 16 Mio US-Amerikaner ihre Stimme abgegeben.

Mit Bewertungen muss aber vorsichtig umgegangen werden. Dass die Gesamtwahlbeteiligung besonders hoch sein wird, kann nicht zwingend mit dem großen Interesse am Early Voting begründet werden. So ist anzunehmen, dass am eigentlichen Wahltermin deutlich weniger Menschen in die Wahllokale gehen als üblich.

Jedenfalls zeigt das große Interesse am Early Voting aber insbesondere, dass es eine gewisse Begeisterung gibt, für oder gegen einen der Kandidaten zu stimmen.


Demokraten mit größerem Interesse am Early Voting

Eine Umfrage von ABC hat zudem ergeben, dass rund 64 % der vermutlichen Biden-Wähler ein Early Voting bevorzugen, während 61% der vermutlichen Trump-Wähler eher am Wahltag, 03.11.20, ihre Stimme abgeben wollen.

Dieses Bild wird auch durch eine Analyse der Washington Post bestätigt, nach der etwa zwei Drittel der Early Voters registrierte Demokraten sind und ein Drittel registrierte Republikaner. Ausgewertet wurden rund 3,5 Mio Stimmen in den Bundesstaaten Florida, Pennsylvania, North Carolina, Iowa, Maine und Kentucky.

Auch der Economist hat in einer landesweiten Umfrage ermittelt, dass 68% der Early Voters für Biden und 29% für Trump gestimmt hätten.

Unabhängig davon, wie diese Zahlen und Entwicklungen nun zu bewerten sind, könnte die hohe Teilnahme am Early Voting aber auch dazu führen, dass doch weniger Briefwahlstimmen als zunächst angenommen, abgegeben werden, wenngleich die Gesamtzahl einen neuen Rekord darstellen wird. Dies könnte dazu führen, dass in der Wahlnacht und am folgenden Tag doch schon mit verlässlichen Ergebnissen gerechnet werden kann.


Lange Auszählungen bei Briefwahl im Rust Belt zu erwarten

Wie viele Wählerinnen und Wähler sich letztlich entscheiden, doch per Brief abzustimmen, bleibt abzuwarten. Fest steht aber, dass es schon jetzt so viele sind, wie nie zuvor. Dies wirft wieder die Frage auf, inwieweit sich die Briefwahlstimmen auf das Auszählungstempo auswirken und letztlich wie lange auf verlässliche Ergebnisse gewartet werden muss.

Vorab muss aber nochmal die Problematik genauer bezeichnet werden. Wer auch hier im deutschsprachigen Raum schon einmal beim Auszählen von Wahlstimmen geholfen hat, wird die Erfahrung gemacht haben, dass das Auszählen von Briefwahlstimmen deutlich länger dauert, als das "normaler" Stimmzettel. Dies hat aber nichts mit den Stimmzetteln zu tun, vielmehr geht es um die Vorbereitung der Auszählung. Es muss also bei den Briefwahlstimmen zwischen der Vorbereitung und der eigentlichen Auszählung differenziert werden.

Zunächst müssen Briefe geöffnet und kontrolliert werden. Dabei geht es beispielsweise darum, Unterschriften oder andere Formalitäten zu prüfen, die für die Gültigkeit der Briefwahlstimme erforderlich sind. Mancherorts werden Wählerinnen und Wähler sogar noch kontaktiert, wenn etwas nicht stimmt, um ihnen die Möglichkeit zu geben, Versäumnisse zu korrigieren. Wenn dann alle Prüfungen abgeschlossen sind, wird der eigentliche Brief mit dem Stimmzettel geöffnet und der Stimmzettel zur Zählung aufgefaltet. Die Zählung kann dann elektronisch oder händisch erfolgen. Eine Prüfung einer Briefwahlstimme kann also schon mal eine Minute dauern. Deutlich länger jedenfalls als das reine Zählen eines in die Wahlurne geworfenen Stimmzettels.

Umso sinnvoller wäre es also, dass die Briefwahlstimmen nicht erst am Wahltag, evtl. auch noch nach Schließung der Wahllokale geprüft werden, sondern schon dann, wenn sie bei den verantwortlichen Stellen eingehen. Zudem stellt sich dann auch die Frage, wann denn die eigentliche Auszählung stattfinden kann. Und noch ein Punkt muss berücksichtigt werden, in einigen Bundesstaaten, werden Briefwahlstimmen, die die Wahlstellen auch noch viele Tage nach der Wahl erreichen, ebenfalls zugelassen, sofern der Versandstempel kein Datum zeigt, das nach dem 03.11.2020 liegt.

Wie so häufig in diesen Fragen, muss nach den unterschiedlichen Bundesstaaten differenziert werden. Um sich einen möglichst kompakten Überblick zu verschaffen, sind zunächst die Bundesstaaten auszublenden, in den mit sicheren Siegen für Trump oder Biden gerechnet wird. Die Frage ist schließlich nur dort relevant, wo mit einem relativ knappen Wahlausgang zu rechnen ist. Konzentrieren wir uns also auf die Battleground States.


In Pennsylvania, Wisconsin und Michigan dürfte es am längsten dauern

In Pennsylvania und Wisconsin beginnt der Vorbereitungsprozess und damit natürlich auch die Zählung der Stimmen erst am Wahltag. In Michigan, dürfen die Vorbereitungen zur Auszählung bereits am Vortag beginnen, was aber nur einen kleinen und letztlich unerheblichen Zeitgewinn bedeutet. In Michigan werden zudem Briefwahlstimmen auch noch berücksichtigt, wenn sie bis zum 17.11. eingegangen sind, also zwei Wochen nach der Wahl. Dies dürfte allerdings nur in wenigen Fällen zutreffen und nur dann relevant werden, wenn der Ausgang der Wahl von außergewöhnlich wenigen Stimmen abhängig ist. In Pennsylvania werden Briefe noch bis zum 06.11. berücksichtigt.

In Iowa und New Hampshire startet der Vorbereitungsprozess drei bis fünf Tage vor dem Wahltag, in Iowa darf bereits einen Tag vor der Wahl auch mit der Auszählung begonnen werden.

In allen anderen Bundesstaaten sind deutlich großzügigere Fristen gesetzt oder aber Briefwahlstimmen dürfen sofort nach Eingang weiter bearbeitet werden, ausgenommen der tatsächlichen Zählung. Dies gilt z. B. für Florida, Minnesota, Georgia, Nevada, Arizona, North Carolina und Ohio.

In Nevada und Arizona dürfen die Briefwahlstimmen zudem bereits am 19.10. bzw. 20.10. nicht nur geprüft und vorbereitet sondern auch schon ausgezählt werden.

Was bedeutet das für die Wahlnacht? Es ist damit zu rechnen, dass in einigen wichtigen Bundesstaaten wie Florida, Arizona, North Carolina oder auch Ohio deutlich schneller mit vollständigen Ergebnissen zu rechnen ist, als es in Pennsylvania, Wisconsin oder Michigan der Fall ist. Sollte es also auf diese drei Bundesstaaten des Rust Belts ankommen, was im Falle von Trump-Erfolgen in Texas, Florida und Ohio der Fall wäre, dürfte es mit einer Entscheidung in der Wahlnacht eng werden. Es sei denn die Ergebnisse in Pennsylvania, Michigan und Wisconsin sind so deutlich pro Biden, dass die Wahlausgänge in diesen Bundesstaaten durch Briefwahlstimmen nicht oder kaum noch verändert werden können.


Trump und Biden im Fernduell – Kritik an NBC wegen zeitgleicher Ansetzung

Eigentlich sollte in der kommenden Nacht das 2. TV-Duell der beiden Spitzenkandidaten stattfinden. Dieses wurde aber bekanntlich abgesagt. Donald Trump und Joe Biden treten nun getrennt voneinander aber zeitgleich jeweils im Town Hall Format auf. Trumps Auftritt in Miami, Florida, wird von NBC, CNBC und MSNBC übertragen. Biden wird in Philadelphia, Pennsylvania beim Sender ABC zu sehen sein.

Kritik am Sender NBC gab es deswegen, weil dieser das Town Hall mit Trump zeitlich so angesetzt hat, dass die Zuschauer zwischen Trump und Biden entscheiden müssen. Bidens Auftritt bei ABC war schon seit zwei Wochen terminiert.

Das letzte TV-Duell zwischen Trump und Biden folgt dann am 22.11.2020.

Für beide Kandidaten sind dies die letzten Gelegenheiten, live und persönlich landesweit Wählerinnen und Wähler zu erreichen. Danach folgen dann nach heutigem Stand "nur" noch persönliche Auftritte an einzelnen Orten und lokalen Sendern und natürlich zielgerichtete Wahlwerbung über Internet, TV und Radio. Sicherlich werden aber auch die Abschlusskundgebungen nochmal von großem Interesse sein.

Dienstag, 13. Oktober 2020

Trump kehrt in den Wahlkampf zurück und muss aufholen - Biden führt landesweit mit 10%

Noch sind es drei Wochen, in denen Donald Trump und Joe Biden unentschlossene Wählerinnen und Wähler für sich gewinnen und die eigene Anhängerschaft mobilisieren können. Der US-Präsident kann nach Angaben seines Arztes gesundheitlich wieder aus dem Vollen schöpfen. Donald Trump sei jüngst negativ auf das Coronavirus getestet worden. Auch Joe Bidens Test sei nach Angaben seines Wahlkampfteams zum siebten Mal in Folge in diesem Monat negativ gewesen.

Trump in Florida, Biden in Ohio

Beide konzentrieren sich mehr und mehr auf die wichtigen Battleground States. Donald Trump tritt in dieser Nacht erstmals seit seiner Erkrankung wieder in der Öffentlichkeit außerhalb des Weißen Hauses auf. Er reiste nach Florida, wo ihn zahlreiche Fans in Sanford in der Nähe von Orlando empfingen.



Joe Biden trat heute in Cincinnati, Ohio auf. Beide Bundesstaaten, Florida und Ohio, hatte Trump 2016 gewonnen. In Florida zeigen die aktuellen Umfragen aber einen durchschnittlichen Vorsprung Bidens von 5%. Ein Wert der außerhalb der üblichen Fehlerspanne von Umfragen liegt, so dass sich die Demokraten aktuell berechtigte Hoffnungen machen können, den Sunshine State zu gewinnen. Für Trump wäre eine Niederlage in Florida nur durch eine Wiederholung seiner Siegesserie im Rust Belt und zudem in weiteren Swing States wettzumachen. Danach sieht es aber derzeit auch nicht aus. In Pennsylvania, Michigan, Wisconsin und Minnesota liegt Biden in den Umfragen komfortabel mit 6-8% vorne.

Ohio hatte Trump vor vier Jahren mit über 8% Vorsprung gewonnen. Aktuell wird von einem Kopf-an-Kopf-Rennen ausgegangen. Eines scheint aber klar zu sein, sollte Biden in Ohio gewinnen, ist es extrem unwahrscheinlich, dass Trump in Pennsylvania, Michigan usw. gewinnt. US-Vizepräsident Pence ist heute ebenfalls nach Ohio gereist, um in Columbus für seine Wiederwahl und die des Präsidenten zu werben.


Biden führt landesweite Umfragen mit mehr als 10 % an


Die landesweiten Umfragen spielen bekanntlich keine direkte Rolle, wenn es darum geht, Rückschlüsse auf den Wahlausgang zu ziehen. Dennoch können Umfragen, die über alle Bundesstaaten hinweg durchgeführt werden, ein aktuelles Stimmungsbild aufzeigen. Das ist insbesondere deshalb interessant, da in vielen Bundesstaaten bereits gewählt wird. In Georgia und Texas beispielsweise hat gestern das Early Voting begonnen, wobei bereits persönlich gewählt werden kann. Zusammen mit den Briefwahlstimmen sind bereits knapp 10 Mio Stimmen in den USA abgegeben worden.

Joe Biden (49405107506)Im Durchschnitt der landesweiten Umfragen führt Biden mit einem Vorsprung von 10,2 %. Einen größeren Vorsprung hat es in diesem Jahr noch nicht gegeben. Zum Vergleich: Hillary Clinton führte 2016 in den Umfragen kurz vor der Wahl landesweit mit 3,2 %. Bei der Wahl hatte sie dann einen Vorsprung von 2,1 % erzielt.

Alle Umfragen in den entscheidenden Bundesstaaten findet Ihr HIER.

Eine Aktualisierung der Übersicht, wer welche Bundesstaaten nach aktuellen Umfragen gewinnt und gewinnen muss, folgt heute Abend und ist dann HIER zu finden.


Demokraten nutzen Anhörung im US-Senat zur Mobilisierung


Die Vizekandidatin der Demokraten, Kamala Harris, nahm heute an der Senatsanhörung von Amy Coney Barrett teil. Die Besetzung des Supreme Court Postens bleibt weiter eines der Topthemen in Washington. Die Republikaner wollen Geschlossenheit und Stärke demonstrieren und die von Trump nominierte Kandidatin an den Supreme Court bringen. Die Demokraten versuchen die Anhörungen der Bundesrichterin im US-Senat für sich zu nutzen, obwohl sie ihre Benennung wohl kaum noch verhindern können. Dennoch wissen sie, dass die Öffentlichkeit auf diese Anhörungen blickt und platzieren dort die Inhalte, die sie auch im Wahlkampf transportieren möchten. Sie fürchten, dass die insbesondere bei Republikanern unbeliebte Gesundheitsreform Obamacare schon bald am Supreme Court gekippt werden könnte. Ein Ziel, das Trump politisch mit dem Kongress nicht erreichen konnte. Die Demokraten werben mit Fragen und Anmerkungen in Richtung Barrett für den Fortbestand der Reform und für ihre Vorstellungen in der Gesundheitspolitik und werden nicht müde darauf hinzuweisen, dass sie grundsätzlich die Nachbesetzung zu diesem Zeitpunkt ablehnen, während bereits Wahlen für das Weiße Haus und den Kongress laufen.