Sonntag, 24. November 2019

Mike Bloomberg verkündet seine Kandidatur

Die Anzeichen verdichteten sich in den vergangenen zwei Wochen immer mehr. Nun ist es offiziell. Mike Bloomberg tritt für die Demokraten bei den Vorwahlen zur US-Präsidentschaftswahl 2020 an. Heute verkündete der frühere Bürgermeister von New York seine Kandidatur. Bloomberg gilt als einer der 20 reichsten Menschen der Welt.
In einem ersten Wahlkampfspot stellt sich Bloomberg als erfahrene Führungspersönlichkeit dar. Er wolle Donald Trump schlagen und Amerika wieder aufbauen. Arbeitsplätze, Gesundheitsversorgung, der Kampf gegen Waffengewalt und den Klimawandel sind einige der Top-Themen, für die Bloomberg wirbt.





Bringt Bloombergs Kandidatur Joe Biden in Bedrängnis?


Bloombergs Einstieg ins Rennen um die Nominierung der Demokraten ist insbesondere für Joe Biden ein Ärgernis. Beide sind Vertreter des moderaten und liberalen wirtschaftsfreundlichen Flügels der Demokraten. Unabhängig von den Erfolgsaussichten Bloombergs wird er sicherlich zu Beginn der Vorwahlen Biden einige Prozentpunkte streitig machen können, was dessen Kampf um die Spitzenkandidatur deutlich komplizierter macht. Für Biden reicht es nicht mehr aus, als Bollwerk gegen die linken Sanders und Warren zu fungieren, er muss sich neben dem ohnehin schon aufstrebenden Pete Buttigieg nun auch mit einem äußerst finanzstarken Konkurrenten aus dem eigenen Lager messen.

Bloomberg soll in den besonders wichtigen Swing States rund 100 Mio US-Dollar für Negativ-Werbung gegen Donald Trump investieren. Zusätzliche 37 Mio US-Dollar wurden alleine für die Ausstrahlung eines ersten Werbespots ausgegeben, der am Montag veröffentlicht wird. Er selbst wolle keine Spenden einsammeln, was die Frage aufwirft, ob er damit auch auf die ausstehenden TV-Debatten verzichten wird. Für diese Debatten sieht die demokratische Partei eine Mindestanzahl von Spenden bzw. Spendengeldern vor, um sich für sie zu qualifizieren.

Die finanziellen Möglichkeiten Bloombergs sind praktisch unbegrenzt, aber dennoch darf man dies auch nicht überbewerten. Joe Bidens Bindungen in die Partei und in viele Wählergruppen hinein sind sehr stark. Seit mehreren Jahrzehnten ist Biden ein treuer Demokrat, er ist bekannt und in Teilen auch recht beliebt. Es ist aus meiner Sicht nur schwer vorstellbar, dass Bloomberg tatsächlich eine Chance haben wird, die vielen loyalen Biden-Anhänger loszulösen und an Buttigieg, Klobuchar und weiteren Demokraten vorbei zu sich herüberzuziehen. Zudem wird sich Bloomberg auch der Kritik stellen müssen, die es insbesondere aus dem linken Lager gibt. Bernie Sanders hatte die Ambitionen Bloombergs bereits scharf kritisiert. Eine Wahl könne man nicht kaufen, so der Senator aus Vermont.

Die Chancen Bloombergs sind also nicht so klar, wie es seine Finanzkraft vermuten lässt. Potenzial, Biden zu schaden, hat Bloombergs Kandidatur aber ganz sicher.


Mike Bloomberg im Kurzporträt


Michael "Mike" Bloomberg ist 77 Jahre alt. Der Gründer von Bloomberg L.P. und Bloomberg Television gehört laut Forbes mit einem Gesamtvermögen von geschätzt knapp 50 Milliarden US-Dollar zu den 20 reichsten Menschen der Welt.
Bloomberg war 12 Jahre lang von Bürgermeister von New York und schied Ende 2013 aus dem Amt. Danach setzte er sich für zahlreiche wohltätige Zwecke ein. Ein von Bloomberg leidenschaftlich vertretenes Thema ist der Kampf gegen den Klimawandel. Mit Trumps Ankündigung, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen, kündigte Michael Bloomberg 2018 an, die von den USA zugesagten 4,5 Mio US-Dollar selbst privat zu zahlen.

Bloomberg war früher bereits Demokrat, wechselte vor seiner Bürgermeisterwahl zu den Republikanern, war ab 2007 unabhängig und hat sich inzwischen wieder den Demokraten angeschlossen.
Michael Bloomberg genießt über Parteigrenzen hinweg Anerkennung.

Bereits bei der Präsidentschaftswahl 2016 kamen Gerüchte auf, Bloomberg könnte als Unabhängiger kandidieren. Er wollte unter allen Umständen eine Präsidentschaft Donald Trumps verhindern und blickte mit Sorge auf die Entwicklungen bei den Demokraten, als der linksgerichtete Bernie Sanders erhebliche Zustimmung erfuhr. Als jedoch klar war, dass Hillary Clinton für die Demokraten antreten und Sanders in den Vorwahlen schlagen würde, unterstützte Bloomberg die ehemalige US-Außenministerin öffentlich und verzichtete auf eine eigene Kandidatur.

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