Mittwoch, 10. August 2022

Vorschau Midterm Elections 2022 - US-Repräsentantenhaus

Die Vorschau auf die Wahlen zum US-Repräsentantenhaus 2022 ist wie gewohnt etwas schwieriger als etwa eine Prognose zur neuen Zusammensetzung des Senats. Während man sich beim Senat auf etwa 10 Bundesstaaten und die dortigen Einzelkandidaturen konzentrieren kann, ist die Ausgangslage für das Repräsentantenhaus weitaus unübersichtlicher, was in erster Linie zunächst daran liegt, dass in allen 435 Kongresswahlbezirken (Districts) der USA neu gewählt wird.

Im aktuellen Repräsentantenhaus haben die Demokraten mit 220 Sitzen eine knappe Mehrheit. Die Republikaner kommen auf 210 Abgeordnete, 5 Sitze sind derzeit vakant. 

Die folgende Übersicht stellt die aktuellen Einschätzungen und Prognosen verschiedener Quellen zur Wahl des US-Repräsentantenhauses 2022 dar.

218 Sitze sind für eine Mehrheit im US-Repräsentantenhaus erforderlich, dargestellt durch die schwarze vertikale Linie.


Stand: 09.08.2022

Prognosen US-Repräsentantenhaus, Thomas Rasser, https://us-wahl2016.blogspot.com/


Grundsätzlich ist eine Tendenz zu erkennen, nach der die Republikaner eine höhere Anzahl an sicheren oder wahrscheinlichen Sitzen zugerechnet wird. Bei allen Modellen liegen sie aktuell vor den Demokraten.

Die Zahl dieser sicheren oder wahrscheinlichen Sitze für die Republikaner schwankt zwischen 213 und 222.
Die Anzahl der sicheren oder wahrscheinlichen Sitze für die Demokraten liegt etwa zwischen 181 und 205.
Bei 14-34 Sitzen gilt der Ausgang als völlig offen.

Die Mehrzahl der offenen Sitze, wird aktuell von Demokraten gehalten. Tendenziell haben sich bei den letzten Wahlen die Zahl der Sitze, die vor der Stimmabgabe als offen galten, verringert. In diesem Jahr verstärkt sich dieser Trend durch den Neuzuschnitt der Wahlbezirke.

Umfragen mit bedingter Aussagekraft


Die grundsätzliche politische Stimmung kann an der eher allgemeinen Umfrage nach dem "Generic Congressional Ballot" abgelesen werden. Hier liegen Republikaner und Demokraten fast gleichauf. Die folgende Tabelle zeigt die jüngsten Umfragen.

Stand: 09.08.2022

Quelle der Umfrage
Enddatum der Befragung
Republikaner
Demokraten
Differenz
Durchschnitt
20.07.-04.08.
44,9 %
45,3 %
+0,4 %
Insider Adv.
01.08.
45
44
+1
CBS News
29.07.
45
43
+2
Politico
31.07.
43
45
+2
Harris
28.07.
50
50
0
Emerson
20.07.
45
44
+1
Rasmussen
04.08.
46
43
+3
YouGov
02.08.
39
44
+5
Monmouth
01.08.
46
49
+3


Bei der Bewertung dieser Ergebnisse ist aber zu beachten, dass es sich um eine sehr allgemeine Frage handelt, die beim Generic Congressional Ballot gestellt wird. Es wird dabei sehr frei gefragt, welche Partei im Kongress bevorzugt wird. Nicht berücksichtigt und eben auch hier nicht darstellbar, ist die Frage nach konkreten Kandidatinnen und Kandidaten der jeweiligen Districts.
Dennoch können tendenziell die Stimmungslage aufgegriffen und Veränderungen erkannt werden. Eine detaillierte Vorschau auf die eng umkämpften Districts, folgt hier in einigen Wochen, wenn alle Vorwahlen abgeschlossen sind.

Demokraten holen im Umfragen auf


Seit vielen Monaten sind die Republikaner favorisiert. Zu groß ist die Unzufriedenheit mit Präsident Biden, der als Zugpferd auszufallen scheint. Auch der interne Richtungsstreit bei den Demokraten trug dazu bei, dass die oppositionellen Republikaner an Zuspruch gewannen.
Allerdings scheint das Umfragetal für die Demokraten durchschritten zu sein. Aktuell liegen sie hauchdünn vor den Republikanern, erstmals im Jahr 2022.
Erfahrungsgemäß ist ein Vorsprung von etwa 5 % im sog. Popular Vote erforderlich, also den gewonnenen Stimmen insgesamt über alle US-Bundesstaaten hinweg, um relativ sicher mit einer Mehrheit im Repräsentantenhaus rechnen zu können. Liegen die Parteien enger beieinander, kommt es umso mehr auf die Ergebnisse in den eng umkämpften Districts an. Die Umfragen nach dem Generic Congressional Ballot sind von der Ausrichtung her dem Popular Vote am ähnlichsten.


Themen des Wahlkampfs


Ob die Republikaner von der Unzufriedenheit im Land profitieren können oder die Demokraten die Stimmungslage im anstehenden Herbst zu ihren Gunsten drehen können, hängt natürlich auch von der Themensetzung im Wahlkampf ab. 

Neben vielen lokalpolitischen Fragestellungen sind über alle Bundesstaaten hinweg auch überörtliche Themen erkennbar, die sich im Wahlkampf durchsetzen.
Die Demokraten haben vier wesentliche Themen, die sie derzeit versuchen, prominent zu platzieren. Eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler steht bei der Frage um das Recht auf Schwangerschaftsabbruch auf Seiten der Demokraten. Auch die Spekulationen um eine erneute Kandidatur Donald Trumps sowie dessen Rolle beim Sturm auf das Kapitol am 06.Januar 2021 soll zu einer Mobilisierung der eigenen Basis führen. Die jüngst erzielte Einigung auf das zweite große Investitionspaket im US-Senat wird als Erfolg präsentiert. Auch das Dauerthema um die Verschärfung der Waffengesetze fehlt bei kaum einem Wahlkampfauftritt.

Die Republikaner dagegen verweisen aktuell auf die hohe Inflation im Land und erinnern an den misslungenen Abzug des US-Militärs aus Afghanistan. Auch die Einwanderungspolitik der Demokraten steht weiter und zunehmend in der Kritik, angesichts teils chaotischer Verhältnisse an der Grenze zu Mexiko. Einige Republikaner versuchen zudem auch weiterhin, die Wahl Bidens 2020 als unrechtsmäßig darzustellen. Bei den teils noch laufenden Vorwahlen ist es Trump vielerorts gelungen, ihm loyale Kandidatinnen und Kandidaten gegen seine parteiinternen Kritiker durchzusetzen.

Demokraten werben teils für radikale Republikaner


Den Demokraten ist ein starkes Abschneiden der Trump-Kandidaten bei den Vorwahlen der Republikaner gar nicht so unrecht, rechnen sie sich dadurch doch in den gemäßigten und stark umkämpften Districts bessere Chancen auf einen Sieg aus. In einigen Wahlbezirken wurde sogar zur Unterstützung einiger rechtspopulistischer Republikaner aufgerufen. Auch wurde Wahlwerbung zugunsten extremer Kandidatinnen und Kandidaten bezahlt. Die Kernaussage dieser Videos: Der Kandidat X ist zu konservativ für den Bundesstaat Y. Die scheinbare Kritik soll rechtskonservative Republikaner aktivieren, gegen die moderaten Kandidaten der eigenen Partei zu votieren.

Diese Strategie ist nicht neu und die Risiken hinlänglich bekannt. Einige Abgeordnete der Demokraten warnen bereits davor, dass die Kandidaten dann tatsächlich den Sprung in das Repräsentantenhaus schaffen könnten. Außerdem stellt sich die Frage, ob eigene Themen nicht hinreichend durchdringen.

Noch laufen die Vorwahlen in einigen Bundesstaaten. Wäre heute die Wahl, dürften die Republikaner gute Chancen auf einen Machtwechsel im Repräsentantenhaus haben. Ob es ihnen aber gelingt, die die guten Umfragewerte des ersten Halbjahres 2022 auch bei den Kongresswahlen in tatsächliche Wählerstimmen umzuwandeln, bleibt abzuwarten. Wie so häufig kommt es auch auf die Mobilisierung der eigenen Wählerinnen und Wähler ab. Hier scheinen die Demokraten etwas im Aufwind zu sein.

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