Freitag, 15. März 2019

Beto O'Rourke: Ein starker Konkurrent für alle Kandidaten

Mit dem heutigen Einstieg in das Rennen der Demokraten bei den Vorwahlen 2020, hat Beto O'Rourke einen von seinen zahlreichen Fans lang ersehnten Schritt vollzogen. Schon im Wahlkampf zu den Midterm Elections 2018 wurden Stimmen laut, die O'Rourke gerne als Herausforderer Donald Trumps sehen wollten. O'Rourke unterlag im vergangenen Jahr bei der Wahl zum US-Senat im klar republikanisch geprägten Texas nur knapp gegen Amtsinhaber Ted Cruz.
Zuletzt tourte O'Rourke durch die USA und ließ seine Anhänger mittels kurzer medialer Nachrichten in den sozialen Netzwerken daran teilhaben.
Heute dann schließlich die Verkündung seiner Kandidatur:



Trotz seiner vergleichsweise geringen bundespolitischen Erfahrung, werden dem 46-jährigen Texaner gute Chancen eingeräumt, das demokratische Bewerberfeld erheblich aufzumischen. O'Rourke hat durch seine Vitalität und Kreativität bei dessen Auftritten einen Pluspunkt, der in dieser Ausprägung kaum noch einmal bei den prominenten Demokraten zu finden ist.
Er gilt als Hoffnungsträger der Partei und wird nicht selten bereits mit Obama oder Kennedy verglichen. Ob ihm das hilft, ist fraglich, aber seiner Fähigkeit, insbesondere junge Wählerinnen und Wähler zu begeistern, dürfte dies jedenfalls zuträglich sein.

O'Rourke ein progressiver Kandidat mit Strahlkraft ins moderate Lage


Das politische Profil ist gar nicht so einfach einzuordnen. Grundsätzlich besetzt er Themen, die im eher linken Spektrum der Partei zu finden sind und gilt als progressiver Vertreter der Demokraten. Aber O'Rourke ist sicherlich nicht so weit links anzusiedeln, wie es etwa bei Bernie Sanders oder Elizabeth Warren der Fall ist. Der Texaner bringt einen gewissen Pragmatismus mit und stimmte während seiner Zeit im US-Repräsentantenhaus auch durchaus mal mit den Republikanern mit. O'Rourke ist jedenfalls ein Kandidat, dessen Reichweite deutlich in den moderaten Teil der demokratischen Partei hineinreicht.

Er könnte also für viele Demokraten eine wählbare Alternative darstellen. Als Kompromisskandidat anzutreten, wäre aber wohl sicherlich ein Fehler. Zu viele Alternativen befinden sich im Bewerberfeld. O'Rourke muss von Beginn an seine eigenständige Basis aufbauen und sich in den Umfragen zwingend zumindest auf den Plätzen 3-4 etablieren. Scheiden dann Kandidaten an den Rändern aus, muss er deren Wählerinnen und Wähler für sich gewinnen, um in die Spitze vorzustoßen. Aktuell wird O'Rourke in den Umfragen auf Platz 5-6 geführt, weit hinter Biden und Sanders zurück. Kamala Harris kommt auch auf fast doppelt so viel Zuspruch. Die Verkündung seiner Kandidatur dürfte ihm aber sicherlich nochmal einen Schub nach vorne bringen. Ihm sollte es gelingen, zumindest das Umfragenniveau von Kamala Harris zu erreichen, also an Elizabeth Warren und Cory Booker vorbeizuziehen .

Beto O'Rourke ist für viele Mitbewerber ein ernstzunehmender und unangenehmer Konkurrent. Jene, die Bedenken haben, Joe Biden oder Bernie Sanders wegen ihres hohen Alters zu unterstützen, finden in O'Rourke eine gute Alternative. Insbesondere eben auch, weil er nicht im genau entgegengesetzten Teil der Demokraten zu finden ist, sondern sich in der Mitte der Partei verortet.
Das frische, junge und charismatische Auftreten dürfte aber in erster Linie für Kandidaten wie Cory Booker, Amy Klobuchar und auch Kamala Harris ein Problem werden. Egal, wo sie politisch stehen, Beto O'Rourke nimmt ihnen deutlich an Strahlkraft als junge Alternativen weg.
Für Julian Castro, ebenfalls Texaner, dürften sich die Chancen deutlich verschlechtert haben. Sein Heimatbundesstaat ist eine wichtige Basis, die er sich nun mit O'Rourke teilen muss.


Topthema des Wahlkampfs: Einwanderung


Das Hauptwahlkampfthema Beto O'Rourkes dürfte die Einwanderungspolitik werden. Damit setzte er in der Vergangenheit und auch in Zukunft einen klaren Kontrast zum amtierenden US-Präsidenten. O'Rourke behandelt im Gegensatz zu Trump die Einwanderung nicht als Problem, sondern betrachtet sie vielmehr als Chance. Er will keine Ängste schüren, sondern Hoffnung und Zuversicht verbreiten. Mit diesen beiden miteinander nicht zu vereinbarenden Positionen will O'Rourke die Wählerschaft konfrontieren. O'Rourke wirkt dabei authentisch, aber ob es aus wahlstrategischen Gründen klug ist, dieses Reizthema in den Vordergrund zu stellen, muss kritisch hinterfragt werden. Donald Trump dürfte wohl nichts dagegen haben, sein Lieblingsthema erneut auf Platz 1 der politischen Agenda während des Wahlkampfes 2020 wiederzufinden.

Aussicht auf die kommenden Wochen

Nach der Kandidatur des Texaners steht nun im prominenten Bewerberfeld nur noch die Entscheidung Joe Bidens aus. Für den früheren US-Vizepräsidenten wäre nun der geeignete Zeitpunkt gekommen, seine Entscheidung zu treffen und zu verkünden. Biden weiß nun, mit wem er es zu tun haben würde und kann eine finale Einschäzung vornehmen. Der Spitzenreiter in den Umfragen könnte mit einer schnellen Entscheidung das mediale Feld wieder für sich gewinnen und Beto O'Rourke ein wenig von der Bühne stoßen.

Und vor wenigen Tagen ließ auch noch Stacey Abrams aufhorchen. Die 46-jährige Demokratin unterlag nur knapp bei der Gouverneurswahl in Georgia im Jahr 2018 und gilt ebenfalls als große Zukunftshoffnung der Partei. In diesem Jahr sprach sie für die Demokraten die Reaktion auf Trumps State of the Union. Abrams sagte nun, dass sie sich eine Kandidatur 2020 zur US-Präsidentschaftswahl vorstellen könne. Ebenso käme aber auch eine Kandidatur in Georgia bei der Wahl zum US-Senat 2020 in Betracht. 

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Beto O'Rourke mit "Strahlkraft ins moderate Lager"???

So ein Stuss! Der Kerl ist ein Linksradikaler wie Bernie Sanders!!!

Thomas hat gesagt…

Vergleichen Sie die Positionen Sanders und O'Rourkes beispielhaft zu den Themen Energiepolitik und Gesundheitspolitik. Dabei werden Sie feststellen, dass Sanders Positionen absoluter und kompromissloser und, wenn man so will, eben auch linker sind. O'Rourke hat sich bislang nicht ausdrücklich für Medicare-for-all ausgesprochen und auch dem Green New Deal folgt er nicht uneingeschränkt. Sie können zwar die Positionen sicherlich im linken Spektrum verorten, aber mein Vergleich bezog sich ja intern auf die Demokraten.

Unknown hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.