Sonntag, 2. August 2020

Bidens Suche nach seiner Vizekandidatin steht vor dem Abschluss

Joe Biden hat viel Zeit und Personal investiert, um in einem Auswahlprozess die aus seiner Sicht richtige Vizekandidatin zu benennen, die mit ihm gegen das Republikaner-Duo Trump/Pence antreten und möglichst gewinnen soll. Dieser Prozess befindet sich nun auf der Zielgeraden.

Ursprünglich hatte Biden angekündigt, seine Wahl der Vizekandidatin am 1. August kundzutun. Zuletzt ließ er aber durchblicken, dass es einige dauern könnte und nach aktuellen Meldungen könnte es sogar bis zur zweiten Augustwoche dauern. Seine Wahlkampfberater drängten offenbar darauf, die Veröffentlichung des Namens möglichst dicht an den Termin des Nominierungsparteitages der Demokraten vom 17.-20.08. zu legen. So solle vermieden werden, dass das Trump-Team Bidens Kandidatin noch vor der offiziellen Nominierung zu lange mit negativen Schlagzeilen torpedieren kann. Schließlich soll der erste Eindruck ein überaus positiver sein.

Karen Bass 113thWird Karen Bass die Überraschungskandidatin?


Joe Biden hatte zuletzt erklärt, dass im engeren Kandidatinnenkreis vier Schwarze Demokratinnen seien. Medien, die sich auf vermeintlich seriöse Quellen berufen, führen in diesem Zusammenhang Kamala Harris, Val Demings, Susan Rice und Karen Bass auf.
Bass war zu Beginn der Suche noch nicht Teil der öffentlichen Spekulationen. Erst in den letzten Wochen konnte man ihren Namen immer häufiger lesen. Karen Bass ist 66 Jahre alt, kommt aus Kalifornien und ist seit fast 10 Jahren Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus. Zudem ist sie die Vorsitzende des einflussreichen Congressional Black Caucus, einem Zusammenschluss afroamerikanischer Abgeordnete im US-Kongress.
Bass ist inhaltlich als liberal-progressiv zu bezeichnen. Ihre Themenschwerpunkte könnten besser nicht in die aktuelle politische Lage passen. Die Gesundheitspolitik, eine Polizeireform und der Kampf gegen Rassismus stehen bei Bass politischer Agenda ganz oben auf der Liste.

Kamala Harris official photo (cropped)Ist Kamala Harris tatsächlich die Favoritin?


Nach wie vor wird aber Kamala Harris, Senatorin aus Kalifornien als Topfavoritin gehandelt. Dennoch bestehen Zweifel, ob Biden tatsächlich Harris benennen wird. Ihre Attacke gegen Joe Biden in einer TV-Debatte im Vorfeld der Vorwahlen war so persönlich und intensiv, dass dies bei Biden sicherlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben dürfte, auch wenn sie ihn nun ausdrücklich unterstützt. In diesem Zusammenhang drängt sich auch noch ein weiterer Grund des Zweifels auf. Eben jene Szene aus der TV-Debatte könnte in republikanischen Wahlwerbespots zu einem Dauerbrenner werden - das sich streitende Spitzenduo der Demokraten.
Zudem ist Harris beim progressiven Flügel der Partei ganz sicher nicht die erste Wahl.
An Harris Fähigkeiten bestehen indes jedoch kaum Zweifel und politisch liegt sie mit Biden auf einer Wellenlänge.



Die weiteren Alternativen


Sollte sich Biden entgegen vieler Erwartungen doch nicht für eine Schwarze Vizekandidatin entscheiden, dürften aus meiner Sicht vier Namen weiterhin eine Rolle spielen. Elizabeth Warren, Gretchen Whitmer, Tammy Duckworth und Michelle Lujan Grisham könnten sich wohl noch Hoffnung auf eine Nominierung machen. Duckworth hatte zuletzt bestätigt, vom Biden-Team kontaktiert worden zu sein.

Scheinbar nicht mehr in der engeren Auswahl sind Stacey Abrams, Keisha Lance Bottoms, Veronica Escobar und Tammy Baldwin. Aber auch dies ist nur spekulativ. Der Auswahlprozess unterliegt strengster Vertraulichkeit und bislang ist offiziell immer nur das nach Außen gedrungen ist, was Joe Biden auch selbst verkündete.

Definitiv nicht mehr dabei sind Amy Klobuchar und Catherine Cortez Masto. Beide haben selbst erklärt nicht oder nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Eine Kurzübersicht über alle Demokratinnen, die als Vizekandidatin gehandelt werden, findet Ihr HIER.

Die Auswahl der Vizekandidatin ist für Joe Biden ein entscheidender Schritt seiner Kampagne und zugleich Startschuss in die letzten drei Monate des Wahlkampfes. Auch wenn die Umfragen derzeit für Biden sprechen, ist die Ausgangslage noch so fragil, dass er sich keinesfalls einen Fehlgriff leisten kann.

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