Mittwoch, 25. März 2020

Wer könnte Bidens Vizepräsidentschaftskandidatin werden?

Joe Biden ist der führende Demokrat in diesen Vorwahlen und wenn nichts Außergewöhnliches mehr passiert, wird Biden auch der Spitzenkandidat der Demokraten bei der General Election gegen Donald Trump werden. Angenommen es käme so, lohnt sich inzwischen ein Blick darauf, wer Bidens Running Mate wird. Sicher ist, so viel hat Biden bereits verraten, es soll eine Frau werden. Mehr ist zur Vizepräsidentschaftskandidatin aktuell aber noch nicht bekannt. Selbst wenn Sanders Spitzenkandidat werden sollte, käme wohl auch eine Frau in Betracht.

Im Folgenden stelle ich mal 10 prominente Demokratinnen vor, die möglicherweise zum Feld der potenziellen Kandidatinnen gehören werden. Dabei ist auch zu beachten, dass eine Vizepräsidentin gute Chancen haben könnte, 2024 bereits eine Spitzenkandidatur zu übernehmen. Biden wäre bei Amtsübernahme 78 Jahre alt. Ein Alter, in dem man durchaus darüber nachdenken könnte, nur eine Amtszeit an der Spitze der USA zu stehen. Zudem müsste sich Biden ohnehin die Kräfte einteilen, so dass die ein oder andere zusätzliche Aufgabe für die Vizepräsidentin übrig bleiben dürfte. Ein Absitzen der vier Jahre als Nr. 2 im Staate erscheint eher unwahrscheinlich zu sein.

Was muss Bidens Vizekandidatin mitbringen?


Zunächst aber stellt sich die Frage, welche Kriterien sollte ein Running Mate, bzw. in diesem Fall die Vizekandidatin erfüllen. Im Idealfall erfüllt Bidens Vizepräsidentschaftsbewerberin folgende Anforderungen:


  • Inhaltlich sollten beide in etwa auf einer Wellenlänge liegen, zumindest aber genügend gemeinsame, in jedem Fall aber sich nicht widersprechende Positionen in politischen Kernfragen vertreten.
  • Gleichzeitig sollte ein Running Mate aber auch gerade die Wählerinnen und Wähler erreichen, die der Spitzenkandidat nicht originär anspricht. Inhalte, Alter, Herkunft, Ethnie, Religion sind dabei relevante Faktoren. Joe Bidens Stärken liegen eher bei älteren Wählerinnen und Wählern, zudem hat er ein starkes Standing bei den Schwarzen. Inhaltlich ist er eher moderat. Gerade bei den Hispanics und Latinos fehlt es Biden noch an Zugkraft.
  • Ein ganz wichtiger Punkt, für mich ein entscheidender Faktor, ist die Frage, ob eine Vizekandidatin den Ausschlag über Sieg oder Niederlage in ein oder sogar zwei Bundesstaaten, vermutlich Swing States, geben kann. 2016 hat einmal mehr gezeigt, dass die Entscheidung in den einzelnen Bundesstaaten fallen wird.
  • Zudem sollte ein Running Mate persönliche Schwächen des Spitzenkandidaten ausgleichen können. Joe Biden hat von Donald Trump den Spitznamen "Sleepy Joe" erhalten. Bidens Auftritte im Wahlkampf sind sehr unterschiedlich gewesen. Seine stärksten Momente hat Biden in der Regel, wenn er sich Zeit nimmt und in Ruhe seine Anliegen erläutern kann, auf die Menschen eingeht und auch mal persönliche Worte findet. Das kommt insbesondere bei den älteren Menschen gut an. Was Biden aber manchmal fehlt, ist die Fähigkeit, Enthusiasmus zu erzeugen. Bernie Sanders gelingt dies gerade bei jungen und besonders progressiven Wählerinnen und Wählern deutlich besser. Biden ist wesentlich geerdeter, moderater und ruhiger.
  • Die Kandidatin sollte nicht gänzlich unerfahren sein. Auch wenn es Biden nicht an Erfahrung mangelt, an dieser Stelle also kein Manko wettzumachen ist, sollte die Vizepräsidentin von jetzt auf gleich in der Lage sein, an die Stelle des Präsidenten zu treten. Bestehen daran Zweifel, könnte das die Chancen bei der General Election minimieren.


Hier nun eine erste Übersicht, über mögliche Kandidatinnen. Die Auflistung basiert lediglich auf einer persönlichen Einschätzung und ist gewiss nicht abschließend. Die Liste wird fortlaufend aktualisiert, die Sortierung ist zufällig gewählt.


Gretchen Whitmer, 48 Jahre, Gouverneurin von Michigan

Gov. Gretchen Whitmer (cropped)
Gretchen Whitmer by Julia Pickett
+ 2018 gewann sie in Michigan die Wahl zur Gouverneurin mit fast 10 % Vorsprung gegen den Republikaner Bill Schuette. Zwei Jahre davor konnte Trump in Michigan überraschend gegen Clinton siegen. Michigan gilt als einer der wichtigsten Bundesstaaten bei der diesjährigen Präsidentschaftswahl. Whitmer könnte hierbei eine ausschlaggebende Rolle für die Demokraten einnehmen.
+ Soweit bekannt, sind inhaltliche Überschneidungen zu Biden erkennbar.
2020 hielt sie für die Demokraten die Antwortrede auf Trumps State of the Union Address und gewann dadurch etwas an Popularität.
- Politische Erfahrungen hat sie bislang hauptsächlich im Bundesstaat Michigan erlangt, nicht aber in Washington D.C.
- Dass Whitmer besondere oder andere Wählerschichten erschließen kann, ist mir bislang nicht bekannt.


Veronica Escobar, 50 Jahre, Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus aus Texas


Veronica Escobar official portrait, 116th Congress.jpg
Veronica Escobar
Von U.S. House Office, Gemeinfrei, Link
+ Escobar kommt gebürtig aus El Paso, Texas. Sie trat 2018 erfolgreich die Nachfolge von Beto O'Rourke an, gewann bei den Kongresswahlen und vertritt seitdem den Wahlbezirk El Paso im US-Repräsentantenhaus. Hispanics und Latinos stellen heute einen Bevölkerungsanteil von rund 84 % in El Paso. Ihre Verbindungen zu den Hispanics könnten für Biden besonders wertvoll sein.
+ Die Demokraten spekulieren darauf, dass Texas nach Jahrzehnten republikanischer Macht mittelfristig zu einem Swing State werden könnte. Auch wenn 2020 es noch nicht so weit sein mag, ein Duo Biden / Escobar sollte Trump in Texas nicht gänzlich ignorieren.
2020 hielt sie nach Gretchen Whitmer für die Demokraten eine weitere Antwortrede in spanischer Sprache auf Trumps State of the Union Address.
- Escobar hat wenig politische Erfahrung in Washington D.C. Zwei Jahre im Repräsentantenhaus könnten noch etwas zu wenig sein.


Amy Klobuchar, 59 Jahre, Senatorin aus Minnesota, ehemalige Mitbewerberin und jetzige Unterstützerin Bidens


Amy Klobuchar August 2019
Amy Klobuchar by Gage Skidmore
+ Hat in Minnesota mehrfach die Wahl in den US-Senat gewonnen.
+ Ist inhaltlich voll auf Linie Bidens.
+ Kommt aus Minnesota, einem Bundesstaat, den Biden für die Demokraten gegen Trump zwingend verteidigen muss. 2016 war Trump nur etwa 1,5 % hinter Clinton. 
+ Sie ist zugleich erfahren, aber auch noch jung genug, um den Staffelstab 2024 von Biden zu übernehmen und zu kandidieren.
- Klobuchar, dürfte kaum in der Lage sein, links-progressive Wählerschichten zu erschließen bzw. für eine besondere Mobilisierung dort zu sorgen.
- Klobuchar kommt insbesondere bei den Weißen im Mittleren Westen der USA gut an. Ihr Vorteil, den sie für Minnesota oder auch für Wisconsin mitbringt, ist zugleich aber auch ihr Schwachpunkt an der West- und Ostküste sowie den Südstaaten, wo auch Hispanics und Schwarze zu umwerben sind.


Stacey Abrams, 46 Jahre, ehemalige Kandidatin zur Gouverneurswahl in Georgia


Stacey Abrams in May 2018.png
Stacey Abrams 
by The Circus
+ Sie unterlag 2018 nur äußerst knapp bei der Gouverneurswahl im republikanisch geprägten Georgia und hat damit gezeigt, in Georgia wettbewerbsfähig zu sein. Die Demokraten blicken mit etwas Hoffnung auf Georgia, da Trump schon 2016 mit "nur" rund 5% Vorsprung gegen Clinton gewann. Mit einer Vizekandidatin Abrams könnten die Demokraten Trump zwingen, mehr Zeit im Wahlkampf in Georgia zu verbringen, als ihm lieb ist.
+ Abrams ist auch bei jungen Wählerinnen und Wählern recht beliebt und gilt in Teilen auch als Shootingstar. 2019 hielt sie für die Demokraten die Antwortrede auf Trumps State of the Union Address.
+ Stacey Abrams hat mit ihrem guten Abschneiden in Georgia gezeigt, dass sie progressive Themen auch auf konservativem Terrain stark vertreten kann.
+/- Abrams hat bereits angekündigt, 2020 nicht für Georgias Sitz im US-Senat zu kandidieren.
- Abrams hat bisher noch kein bedeutendes politisches Amt inne gehabt, entsprechend auch noch keine größere Wahl gewonnen.
- Sie bringt zudem kaum politische Erfahrung mit.


Elizabeth Warren, 70 Jahre, Senatorin aus Massachusetts, ehemalige Mitbewerberin Bidens

Elizabeth Warren June 2019
Elizabeth Warren by Gage Skidmore
+ Ist erfahren genug, das Amt auszufüllen
+ Sie könnte den linken Flügel besser mobilisieren als Biden.
- Dafür steht sie inhaltlich deutlich weiter links als Biden, programmatische Konflikte wären nicht ausgeschlossen.
- Warrens politische Heimat ist Massachusetts, ein Bundesstaat, der ohnehin klar den Demokraten zugerechnet wird, ein positiver Effekt bliebe aus.
- Warrens Zugkraft in andere Wählerschichten hinein war zumindest in den Vorwahlen kaum vorhanden.




Tammy Baldwin, 58 Jahre, Senatorin aus Wisconsin


Tammy Baldwin, official portrait, 113th Congress (cropped)
Tammy Baldwin, Public Domain
+ Kommt aus Wisconsin, einem Bundesstaat, den Biden für die Demokraten 2020 von Trump zurückerobern will. 2016 hatte Trump überraschend in Wisconsin gewonnen. Ein positiver Schub einer Lokalmatadorin käme Biden hier sicher recht.
Baldwin ist eine progressive Demokratin, was Bidens Schwäche auf dem linken Flügel etwas auffangen könnte.
+ Ähnlich wie Harris oder Klobuchar verfügt Baldwin über einige Erfahrung im US-Kongress ist aber noch jung genug, um für genügend frischen Wind zu sorgen.
- Zugleich vertritt Baldwin aber auch Positionen, die inhaltliche Kompatibilitätsfragen aufwerfen können.


Val Demings, 63 Jahre, Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus aus Florida


Val Demings, Official Portrait, 115th Congress
Val Demings, Public Domain
+ Was für Michigan oder Wisconsin gilt, trifft insbesondere auch auf Florida zu. Eine Frau mit Verbindungen nach Florida, dem wichtigsten Swing State der USA, darf in dieser Auflistung nicht fehlen. Das Gouverneursamt und die beiden Senatoren-Posten werden aber von Republikanern besetzt. Blickt man auf das US-Repräsentantenhaus findet man gleich acht Frauen, die dort verschiedene Congressional Districts Floridas vertreten. Eine der eher aussichtsreichen Damen ist Val Demings. Sie ist für den Bezirk Orlando, wo sie früher Chefin der dortigen Polizei war, bereits zum zweiten Mal in das Repräsentantenhaus gewählt worden. Inwieweit sie tatsächlich Zugkraft in Florida entwickeln kann, bliebe abzuwarten, aber für Biden wäre sie sicherlich eine Alternative.
+ Demings dürfte weitgehend auf Bidens Linie sein, sie ist Mitglied der New Democrat Coalition, einer eher moderaten Bewegung mit gesellschaftlich liberalen und fiskalpolitisch konservativen Positionen innerhalb der Partei. Zudem engagiert sie sich auch für die Schwarzen und ist Mitglied im Congressional Black Caucus.
- Val Demings begann ihre politische Laufbahn erst nach Abschluss ihres Berufslebens beim Orlando Police Department, ihre Erfahrungen erstrecken sich lediglich über einige Jahre im US-Repräsentantenhaus.
- Die links-progressiven Wählerinnen und Wähler aus dem Sanders-Lager sind für Demings wohl kaum näher erreichbar als für Biden selbst.


Kamala Harris, 55 Jahre, Senatorin aus Kalifornien, ehemalige Mitbewerberin und jetzige Unterstützerin Bidens


Senator Harris official senate portrait
Kamala Harris, Public Domain
Ist erfahren genug, das Amt auszufüllen
+ Ist dennoch jung genug, um für einen Wechsel in Washington zur Verfügung zu stehen.
+ Teilt viele inhaltliche Positionen Bidens
Harris kommt aus Kalifornien, ein sicherer Bundesstaat für die Demokraten, kein positiver Effekt.
- Kann das linke Lager wohl kaum zusätzlich mobilisieren.







Catherine Cortez Masto, 55 Jahre, Senatorin aus Nevada


Catherine Cortez Masto official portrait (cropped)
Catherine Cortez Masto, Public Domain
+ Könnte zusätzliche Zugkraft bei den Hispanics entwickeln.
+ Kommt aus Nevada, ein Bundesstaat, der für die Demokraten auch nicht von alleine gewonnen wird. Ein reiner Swing State ist Nevada allerdings nicht und zudem wohl auch nicht wahlentscheidend. Und dennoch mit Cortez Masto hätte Biden wohl in Bezug auf Nevada eine Sorge weniger.
+ Sie steht inhaltlich Biden recht nahe, hat aber zugleich auch progressive Schwerpunkte in ihrer Agenda.
- Sie steht zunehmend für das Parteiestablishment der Demokraten. Ob sie in der Lage sein wird, Sanders-Anhänger in Massen zu begeistern und zur Wahl Bidens zu bewegen, ist eher fraglich.


Tammy Duckworth, 52 Jahre, Senatorin aus Illinois


Tammy Duckworth, official portrait, 115th Congress
Tammy Duckworth, Public Domain
+ Erfahrene und militärisch hochdekorierte Senatorin, frühere Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus und ehemalige Assistant Secretary of Veteran Affairs zur Amtszeit Obamas.
+ Ist bekannt für ihr Engagement für Frauen, Veteranen und Behinderte. Sie selbst wurde im Irak-Krieg schwer verletzt und verlor beide Beine.
+ Inhaltlich vertritt sie in zentralen Fragen Bidens Linie.
- Ihr Heimatbundesstaat Illinois ist praktisch ein sicherer Staat für die Demokraten, so dass der positive Faktor einer Lokalmatadorin bei Duckworth nicht richtig zur Geltung kommt.



Michelle Lujan Grisham, 60 Jahre, Gouverneurin von New Mexico


Michelle Lujan Grisham official photo.jpg
Michelle Lujan Grisham
United States Congress - 
Gemeinfrei, Link
  http://lujangrisham.house.gov/about/full-biography
Könnte zusätzliche Zugkraft bei den Hispanics entwickeln.
+ Konnte sowohl im US-Repräsentantenhaus, wie auch auf Regierungsebene in einem Bundesstaat als Gouverneurin und zuvor Gesundheitsministerin zahlreiche politische Erfahrungen sammeln.
- New Mexico dürfte wahrscheinlich wieder an die Demokraten gehen, so dass ein nennenswerter positiver Effekt ausbliebe






Weitere mögliche Kandidatinnen


Manche politische Beobachter diskutieren natürlich auch noch weitere Namen, die ich aber aus unterschiedlichen Gründen für eher unwahrscheinlich halte. Sollten sich Hinweise verdichten, dass eine von ihnen, doch in den engeren Kreis kommt, werde ich sie hier auch detaillierter aufführen. Dazu gehören:

Sally Yates, 59 Jahre, frühere stellv. Generalstaatsanwältin der USA und für 10 Tage geschäftsführende Justizministerin unter Trump, bis dieser sie entließ, da sie sich in ihrer Behörde gegen den sog. "Muslim Ban" des Präsidenten stellte.
Michelle Obama, 56 Jahre, frühere First Lady und Ehefrau Barack Obamas.
Hillary Clinton, 72 Jahre, frühere First Lady, US-Außenministerin und Spitzenkandidatin 2016
Nancy Pelosi, 79 Jahre, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses
Kirsten Gillibrand, 53 JahreSenatorin aus New York
Tulsi Gabbard, 38 JahreAbgeordnete im US-Repräsentantenhaus aus Hawaii, ehemalige Mitbewerberin Bidens

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