Dienstag, 13. Oktober 2020

Trump kehrt in den Wahlkampf zurück und muss aufholen - Biden führt landesweit mit 10%

Noch sind es drei Wochen, in denen Donald Trump und Joe Biden unentschlossene Wählerinnen und Wähler für sich gewinnen und die eigene Anhängerschaft mobilisieren können. Der US-Präsident kann nach Angaben seines Arztes gesundheitlich wieder aus dem Vollen schöpfen. Donald Trump sei jüngst negativ auf das Coronavirus getestet worden. Auch Joe Bidens Test sei nach Angaben seines Wahlkampfteams zum siebten Mal in Folge in diesem Monat negativ gewesen.

Trump in Florida, Biden in Ohio

Beide konzentrieren sich mehr und mehr auf die wichtigen Battleground States. Donald Trump tritt in dieser Nacht erstmals seit seiner Erkrankung wieder in der Öffentlichkeit außerhalb des Weißen Hauses auf. Er reiste nach Florida, wo ihn zahlreiche Fans in Sanford in der Nähe von Orlando empfingen.



Joe Biden trat heute in Cincinnati, Ohio auf. Beide Bundesstaaten, Florida und Ohio, hatte Trump 2016 gewonnen. In Florida zeigen die aktuellen Umfragen aber einen durchschnittlichen Vorsprung Bidens von 5%. Ein Wert der außerhalb der üblichen Fehlerspanne von Umfragen liegt, so dass sich die Demokraten aktuell berechtigte Hoffnungen machen können, den Sunshine State zu gewinnen. Für Trump wäre eine Niederlage in Florida nur durch eine Wiederholung seiner Siegesserie im Rust Belt und zudem in weiteren Swing States wettzumachen. Danach sieht es aber derzeit auch nicht aus. In Pennsylvania, Michigan, Wisconsin und Minnesota liegt Biden in den Umfragen komfortabel mit 6-8% vorne.

Ohio hatte Trump vor vier Jahren mit über 8% Vorsprung gewonnen. Aktuell wird von einem Kopf-an-Kopf-Rennen ausgegangen. Eines scheint aber klar zu sein, sollte Biden in Ohio gewinnen, ist es extrem unwahrscheinlich, dass Trump in Pennsylvania, Michigan usw. gewinnt. US-Vizepräsident Pence ist heute ebenfalls nach Ohio gereist, um in Columbus für seine Wiederwahl und die des Präsidenten zu werben.


Biden führt landesweite Umfragen mit mehr als 10 % an


Die landesweiten Umfragen spielen bekanntlich keine direkte Rolle, wenn es darum geht, Rückschlüsse auf den Wahlausgang zu ziehen. Dennoch können Umfragen, die über alle Bundesstaaten hinweg durchgeführt werden, ein aktuelles Stimmungsbild aufzeigen. Das ist insbesondere deshalb interessant, da in vielen Bundesstaaten bereits gewählt wird. In Georgia und Texas beispielsweise hat gestern das Early Voting begonnen, wobei bereits persönlich gewählt werden kann. Zusammen mit den Briefwahlstimmen sind bereits knapp 10 Mio Stimmen in den USA abgegeben worden.

Joe Biden (49405107506)Im Durchschnitt der landesweiten Umfragen führt Biden mit einem Vorsprung von 10,2 %. Einen größeren Vorsprung hat es in diesem Jahr noch nicht gegeben. Zum Vergleich: Hillary Clinton führte 2016 in den Umfragen kurz vor der Wahl landesweit mit 3,2 %. Bei der Wahl hatte sie dann einen Vorsprung von 2,1 % erzielt.

Alle Umfragen in den entscheidenden Bundesstaaten findet Ihr HIER.

Eine Aktualisierung der Übersicht, wer welche Bundesstaaten nach aktuellen Umfragen gewinnt und gewinnen muss, folgt heute Abend und ist dann HIER zu finden.


Demokraten nutzen Anhörung im US-Senat zur Mobilisierung


Die Vizekandidatin der Demokraten, Kamala Harris, nahm heute an der Senatsanhörung von Amy Coney Barrett teil. Die Besetzung des Supreme Court Postens bleibt weiter eines der Topthemen in Washington. Die Republikaner wollen Geschlossenheit und Stärke demonstrieren und die von Trump nominierte Kandidatin an den Supreme Court bringen. Die Demokraten versuchen die Anhörungen der Bundesrichterin im US-Senat für sich zu nutzen, obwohl sie ihre Benennung wohl kaum noch verhindern können. Dennoch wissen sie, dass die Öffentlichkeit auf diese Anhörungen blickt und platzieren dort die Inhalte, die sie auch im Wahlkampf transportieren möchten. Sie fürchten, dass die insbesondere bei Republikanern unbeliebte Gesundheitsreform Obamacare schon bald am Supreme Court gekippt werden könnte. Ein Ziel, das Trump politisch mit dem Kongress nicht erreichen konnte. Die Demokraten werben mit Fragen und Anmerkungen in Richtung Barrett für den Fortbestand der Reform und für ihre Vorstellungen in der Gesundheitspolitik und werden nicht müde darauf hinzuweisen, dass sie grundsätzlich die Nachbesetzung zu diesem Zeitpunkt ablehnen, während bereits Wahlen für das Weiße Haus und den Kongress laufen.

Kommentare:

Rüdiger hat gesagt…

Hallo! Vielen Dank für diese tolle Seite. Sie gefällt mir sehr gut und ist kompetent und absolut schlüssig. Eine kurze Frage: Dass Joe Biden in den landesweiten Umfragen wesentlich deutlicher als Hillary Clinton 2016 zum gleichen Zeitpunkt führt ist klar. Ich meine, dass sie auch in den Swing States deutlicher führt. Nun hat aber eine "Experte" bei ntv behauptet, dass Hillary Clinton zum gleichen Zeitpunkt in Pennsylvania noch deutlicher geführt hat. Hast du dazu noch Daten?

Rainbow-Warrior21 hat gesagt…

Eine Frage zu den noch unentschlossenen bzw. "Independent"-Wähler*innen: Gibt es einigermaßen valide Angaben darüber, wie viele das in Prozent sind ?

Thomas hat gesagt…

@Rüdiger: Danke! Im Schnitt lag Clinton drei bis vier Wochen vor der Wahl 2016 in Pennsylvania ähnlich weit vorne wie Biden aktuell, also etwa 7% vor Trump. Clinton verlor dann Woche für Woche, hatte eine Woche vor der Wahl noch 5% Vorsprung. In dieser letzten Woche reduzierte sich dieser nochmal deutlich auf 1-2%. Am Ende lag Trump mit 0,7% vor ihr. Diese Entwicklung zeigt, dass in einem solchen Zeitraum noch viel möglich ist. Aber man darf auch nicht vergessen, dass Clinton 2016 gut eine Woche vor der Wahl mit den neuerlichen Ermittlungen des FBI in der sog. E-Mail-Affäre nochmal einen erheblichen Dämpfer hinnehmen musste.
Und noch etwas ist zu berücksichtigen und das betrifft die Frage von @Rainbow-Warrior21. Die Anzahl der unentschlossenen Wählerinnen und Wähler soll nach vielen Umfragen derzeit vergleichsweise gering sein. Nach aktuellen landesweiten Umfragen bewegt sich die Zahl der noch nicht entschiedenen Wählerinnen und Wähler im mittleren bis niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Trifft dies zu, ist das Wahlverhalten nicht ganz so anfällig für kleinere Stimmungsschwankungen. Hinzu kommt, dass dieses Jahr deutlich mehr Menschen schon jetzt bzw. in den kommenden Tagen abstimmen und damit anteilig die aktuellen Stimmungen Relevanz entfalten. Aber Potenzial um nochmal zwei bis drei Prozent aufzuholen, ist immer noch locker vorhanden.
Zusammengefasst kann aus meiner Sicht gesagt werden, dass ein Kandidat in den Tagen vor der Wahl 5% Vorsprung in den Umfragen haben sollte, um einigermaßen entspannt auf den betroffenen Bundesstaat zu blicken.

Rüdiger hat gesagt…

Vielen Dank für die umfassende Antwort Thomas :-). Das ist sehr interessantes Hintergrundwissen und klingt sehr schlüssig.