Donald Trump: Eure Meinung zur Arbeit des US-Präsidenten

Sonntag, 14. Februar 2016

Wilde Streitereien bei TV-Debatte der Republikaner - Ein persönlicher Eindruck

Wer glaubte, die bisherigen TV-Debatten der Republikanern seien nur durch Streitereien aufgefallen, konnte nicht wissen, was der Abend in Greenville, South Carolina für die Zuschauer auf Lager hatte. Unterhaltungsfaktor sehr hoch, Schaden für die Grand Old Party noch höher. Man hatte stellenweise schon fast das Gefühl sich schämen zu müssen, Gefallen an dieser Debatte gefunden zu haben.


Lord Commander Trump Decapitates the Establishment Republicans
Karikatur by DonkeyHotey


Dabei ging es doch so ruhig los. Zu Beginn der Debatte gab es eine Gedenkminute zu Ehren des überraschend verstorbenen Richters am Obersten Gerichtshof Antonin Scalia. Aber die Kandidaten liefen kurz darauf schon heiß mit ihren Forderungen und Warnungen bzgl. der Nachfolge Scalias. In Washington dürfte dies in den nächsten Tagen das bestimmende Thema sein. Obama hat einen Nachfolger für den konservativen Richter vorzuschlagen, den der republikanisch dominierte Senat bestätigen müsste. Der neue Richter wäre das Zünglein an der Waage bei künftigen Entscheidungen. John Kasich nahm nochmal etwas Tempo heraus und erinnerte daran, dass die Meldung über Scalias Tod, erst wenige Stunden alt sei.
Was danach folgte, war eine beispiellose Eskalation einer öffentlichen politischen Auseinandersetzung von Kandidaten einer Partei, die sich um das wohl einflussreichste politische Amt der Welt bewerben.

Irak-Krieg:Trump wirft Bush-Administration Lügen vor


Das erste Duell lieferten sich Donald Trump und Jeb Bush. Nachdem Trump erneut davor warnte, die Syrien-Region weiter zu destabilisieren, hob er hervor, dass er der einzige Kandidat auf der Bühne sei, der sich gegen den Irak-Krieg ausgesprochen hätte. Eine pikante Spitze auf Jeb Bush, dessen Bruder George W. Bush am Montag zum Wahlkampf in South Carolina erwartet wird. Trump erhielt deutliche Buh-Rufe aus dem Publikum, das sich an dem Abend ganz sicher auch nicht mit Ruhm bekleckert hat. Offensichtlich saßen mehrheitlich Bush und Rubio Unterstützer im Saal, aber unabhängig davon, gab es kaum einen Redebeitrag, der nicht überschwänglich beklatscht oder gnadenlos ausgebuht wurde. Von diesem Publikum offensichtlich schon sehr früh angestachelt, legte Trump dann richtig los. Er warf George W. Bush und dessen früherer Administration vor, über die Gründe des Irak-Kriegs gelogen zu haben und nannte dabei explizit die angeblichen Massenvernichtungswaffen. Dieser auf einer solchen Lüge basierende Krieg, habe so vielen Soldaten das Leben gekostet und enorm viel Geld verschlungen. Es brodelte im Saal, die Bush-Unterstützer ließen ihren Unmut freien Lauf und viele Zuschauer könnten sich gefragt haben, ob Trump hier um die Gunst der demokratischen Wähler buhlte.


Trump legt gegen die Bush-Familie nach


Trump und Bush stritten dann über die richtige Strategie im Kampf gegen ISIS. John Kasich sorgte wieder für etwas Beruhigung und führte aus, dass Europa durch ISIS bedroht sei und die Welt eine starke Führung der USA benötige. Auch Rubio und Cruz schilderten ihre Sicht der Dinge und hielten sich aus den Streitereien heraus - noch.
Der Irak-Krieg war Trump noch nicht genug. Er legte dann ziemlich aufgebracht gegen Bush und das gesamte politische Erbe der Bush-Familie nach. Nicht zum ersten Mal in diesem Wahlkampf erinnerte Trump daran, dass George W. Bush US-Präsident gewesen sei, als die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 passierten. Bush hätte die USA damals nicht geschützt, lautete der Tenor. Wieder wüste Reaktionen aus dem Publikum und ein angegriffener Jeb Bush, der sich dann allerdings mit persönlichen Verteidigungen seiner Familienmitglieder auch ziemlich hat aus dem Konzept bringen lassen. Emotional mag er da zwar einige Menschen angesprochen haben, vielleicht war es ihm auch einfach nur ein persönliches Bedürfnis, aber als jemand, der von dem versierten Außenpolitiker Lindsey Graham unterstützt wird, ließ Bush die Chance verstreichen, Trump inhaltlich mit präzisen und konkreten Punkten außenpolitisch ins Abseits zu stellen. Denn Trumps Tiefgang an dem Abend war bei den meisten Redebeiträgen einmal mehr nicht sonderlich weitreichend. Nach dem Streit um Irak und 9/11 konnte man schon fast den Haken machen und feststellen, dass sich z. B. Cruz und Rubio gut aus dem Zwist herausgehalten hatten. Aber ihre Zeit sollte auch noch kommen. Und Marco Rubio konnte dann auch nicht mehr an sich halten und bot dem Publikum Inhalte an wie: "9/11 ist passiert, weil Bill Clinton es versäumt hat, Bin Laden zu töten" oder "Ich bin dankbar, dass George W. Bush zu dieser Zeit Präsident war und nicht Al Gore". 

Die Gemüter beruhigten sich nach dieser ersten Runde um die Außen- und Sicherheitspolitik. Trump war es gelungen, die Debatte völlig am Thema vorbeizuführen. Ob er dabei bei der republikanischen Wählerschaft punkten konnte, ist fraglich. Unabhängige dürften aber zumindest in der Frage des Irak-Kriegs eher ihm zugeneigt gewesen sein. Jeb Bush blieb zwar relativ cool, versäumte es aber, sich als souveränen künftigen Commander in Chief zu präsentieren.
Ted Cruz führte in der Folgezeit noch aus, dass seine Steuerpläne eine einfache einheitlich niedrige 10%-Besteuerung vorsehen würden, Marco Rubio wolle die Steuerpolitik dazu nutzen, die Familien wieder zu fördern. Sie seien die eigentliche Stärke der USA.
Auch John Kasich konnte nicht ganz auf verbale Differenzen verzichten und geriet mit Jeb Bush über die Ausweitung von Medicaid aneinander. Der Streit verlief aber deutlich ruhiger und war dann doch inhaltlicher Natur.


Zwist Ted Cruz vs Marco Rubio - Nichtmal neue Schläuche für den alten Wein


Bislang ließen sich Ted Cruz und Marco Rubio noch nicht in den Strudel der wüsten Beschimpfungen hineinziehen - bis das Thema Einwanderung zur Sprache kam. Als hätte man sie gemeinsam losgelassen, entbrannte sofort ein Streit darüber, der schon wie ein Dauerbrenner den gesamten Wahlkampf prägte. Die Dämme brachen vollends. Gegenseitige Lügenvorwürfe, die Instrumentalisierung des auch noch anwesenden Ben Carsons, der Erwähnung fand, als Rubio nochmal an das Verhalten Cruz Wahlkampfteams in Iowa erinnerte und immer wieder die gleichen Konfliktpunkte um die Frage, wer der härtere Hund beim Thema der Einwanderungsbegrenzung war, ist und sein wird.


Bush gelingen Spitzen gegen seine Konkurrenten


Jeb Bush erwähnte dann seinen inneren Chris Christie und machte sich darüber lustig, wie sich zwei Senatoren, also Cruz und Rubio, über Gesetzesvorschläge streiten würden. Damit eröffnete der frühere Gouverneur von Florida auch die nächste Runde im Duell Trump vs Bush. Kaum hatten sich Rubio und Cruz beruhigt, legte Trump nach, ließ die beiden Senatoren außen vor und griff wieder direkt Jeb Bush an. Bush sei der schwächste Kandidat auf der Bühne, wenn es um illegale Einwanderung gehe. Der sichtlich angefasste Bush schlug aber gleich zurück und erinnerte Trump daran, dass es schwach sei, sich über Frauen, Hispanics und Behinderte auf beleidigende Weise lustig zu machen. Soviel zum Thema Einwanderung.

Die Kandidaten ließen sich auch immer wieder durch das Publikum anstacheln und der Moderator tat wenig, um die Situation in irgendeiner Weise zu beruhigen. Keine Worte an das Publikum, keine Appelle an die Kandidaten.


Planned Parenthood: Trump vs Cruz


Also ging es weiter. Ted Cruz sah sich abermals des Vorwurfs ausgesetzt der größte Lügner und ein schlimmer Kerl zu sein. Absender war Donald Trump. Es begann damit, dass Cruz erneut die vagen politischen Positionen des republikanischen Frontrunners kritisierte. Trump sei nicht glaubhaft, weil er eigentlich viel liberalere Positionen vertrete. Zumindest habe er es früher getan. Ein Beispiel gab Cruz auch noch und klagte an, dass Trump die Einrichtung Planned Parenthood unterstützt hätte. Planned Parenthood ist eine nichtkommerzielle Organisation, die landesweit in über 700 Kliniken medizinische Dienste, wie z. B. Familienplanung, Schwangerschaftstests, Schwangerschaftsabbrüche, Verhütungsmittel, die Behandlung von sexuell übertragbaren Krankheiten sowie Krebsvorsorgeuntersuchungen. Trump beschwerte sich, dass Cruz dies falsch darstellen würde. Trump sei ebenfalls gegen Abtreibungen, sehe aber in der Einrichtung auch ein Nutzen für die Gesundheit der Frauen. 


Ben Carsons Abschiedsauftritt?


Ben Carson versuchte dann auch nochmal die Stimmung zu beruhigen, nachdem er zum x-ten Mal auf seine Website verwies, erinnerte er bei all den Streiteren daran, dass man auch noch eine Wahl gegen die Demokraten zu gewinnen habe. Der Appell kam wohl zu spät, zumindest für diesen Abend.

Was bleibt also von dieser TV-Debatte übrig? Das republikanische Partei-Establishment dürfte an diesem Abend in den Fernsehsesseln versunken sein. Man kann sich kaum vorstellen, dass diese vergiftete Grundstimmung zwischen den Kandidaten nochmal irgendwann eine gedeihliche Zusammenarbeit erlaubt. Trump gegen Bush, Trump gegen Cruz, Cruz gegen Rubio usw. Dass es Bush an diesem Abend zugelassen hat, die Debatte so sehr in Streitigkeiten ausarten zu lassen, könnte ihm trotz einiger guter Konter noch Probleme bereiten. Zwar hat er Angriffslust und Leidenschaft gezeigt, aber auch die Chance verpasst, als der abgeklärte, sachliche Kandidat des gemäßigten Lagers hervorzugehen. Dies dürfte am ehesten John Kasich gelungen sein. Zwar bekommt er wohl nichts vom Wählerkuchen eines Donald Trump oder Ted Cruz ab, aber diejenigen, die sich nach einem positiven, pragmatischen und sachlichen Kandidaten sehnen, könnten ihre Entscheidung an diesem Abend zugunsten John Kasichs getroffen haben.
Für Ben Carson könnte es der letzte große Auftritt in diesem Wahlkampf gewesen sein. Er beteiligte sich zwar nicht an den Streitereien, natürlich nicht, aber eine wirkliche politische Botschaft brachte er erneut nicht rüber. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er so beim South Carolina Primary den Sprung in die Spitzengruppe schaffen wird.
Donald Trump war der Hauptaggressor des Abends. Er hat sich von der hitzigen Stimmung im Saal anstecken lassen und noch mehr als sonst losgepoltert. Manche mögen sagen, er hat sich zu sehr aus der Ruhe eines Spitzenreiters bringen lassen, aber so ist es ihm gelungen, der Debatte seine plakative Diskussionsweise aufzuzwingen. Nur selten konnten die anderen Kandidaten konstruktiv und detailliert über die Inhalte sprechen, die der Moderator versucht hatte, in die Debatte einzustreuen. Trump könnte es sich mit vielen Vertretern  und Anhängern der Republikaner verscherzt haben. Aber offen gesagt, die hätten ihn vor diesem Abend auch nicht gewählt. Stattdessen hat er mit einer ungewohnt scharfen Kritik am Umgang mit der Aufarbeitung des Irak-Kriegs und der damit verbundenen Anschuldigung in Richtung des früheren US-Präsidenten George W. Bush gewiss auch einigen unabhängigen oder auch frustrierten Wähler aus der Seele gesprochen. Trump ist auf jeden Fall ein hohes Risiko eingegangen, aber bislang lag er im Wahlkampf mit solchen Entscheidungen meist richtig. Aber auch hier gilt mit Blick auf die Wahl gegen die Demokraten: er zeigt die Fehler und Schwachstellen seiner Mitbewerber, spricht vermeintliche republikanische Tabuthemen an und bleibt die Antwort auf die Frage, wie er selbst alles besser machen will, schuldig. Aber Trump war auch nicht der alleinige Schuldige an dem unsäglichen Verlauf dieser TV-Debatte, dazu gehören natürlich auch immer noch andere, die mitmachen. Ted Cruz und Marco Rubio haben sich gegenseitig verbal die Augen ausgekratzt, dennoch gelang es ihnen stellenweise auch ein paar politische Statements abzugeben. Mit einer starken Schlussrede konnte Cruz nochmal seinen Ruf als konservativer Verfechter der Verfassung gerecht werden und auch Rubio konnte das grundsätzlich ihm wohl gesonnene Publikum zufriedenstellen.
Alles in allem sind die Republikaner auf dem Weg, sich selbst zu zerlegen an diesem Abend ein gehöriges Stück vorangekommen.


Kommentare:

Bernie hat gesagt…

Echt super wie schnell und wie ausführlich du hier über alles berichtest.

Vielen Dank dafür! Du bist meine Startseite.

Thomas hat gesagt…

Danke für das Lob, das freut mich!

Carsten hat gesagt…

Neu in den US-Wahlkampf-Splittern: Eine unterhaltsame Verschwörungstheorie
http://neunmalsechs.blogsport.eu/wahlsplitter-2016/us-wahlsplitter-2016/